Corporate Finance einfach erklärt
Corporate Finance — auf Deutsch Unternehmensfinanzierung — beschäftigt sich mit drei Grundfragen: In welche Projekte soll das Unternehmen investieren? Wie werden diese Investitionen finanziert? Und was geschieht mit den erwirtschafteten Überschüssen? Dahinter steht das Ziel, den Wert des Unternehmens langfristig zu steigern und gleichzeitig jederzeit zahlungsfähig zu bleiben. Beide Ziele stehen oft in Spannung: Mehr Fremdkapital kann die Rendite auf das Eigenkapital erhöhen, macht das Unternehmen aber anfälliger für Krisen und steigende Zinsen.
Zum Arbeitsfeld gehören die Wahl der Kapitalstruktur, also das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital, die Auswahl passender Finanzierungsinstrumente, Investitionsrechnung, Liquiditäts- und Risikomanagement sowie die Ausschüttungspolitik. Im engeren Sinn wird der Begriff auch für Transaktionsberatung genutzt: Unternehmenskäufe und -verkäufe, Kapitalerhöhungen und Finanzierungsrunden — das Feld Mergers & Acquisitions.
Große Konzerne haben dafür eigene Abteilungen und direkten Zugang zum Kapitalmarkt. Mittelständler finanzieren sich dagegen überwiegend über Bankkredite, Leasing und einbehaltene Gewinne. Für sie bedeutet Corporate Finance vor allem: Finanzierungen so strukturieren, dass Laufzeiten zur Nutzungsdauer passen, die Abhängigkeit von einer einzelnen Bank begrenzt ist und Reserven für schwächere Jahre bestehen. Dazu gehört auch, Sicherheiten nicht vorschnell komplett an einen Kreditgeber zu vergeben.
Wichtige Bausteine einer mittelständischen Finanzierungsstruktur sind neben Darlehen und Kontokorrent auch Mezzanine-Kapital, Förderkredite, Factoring und Beteiligungskapital. Eine regelmäßige Überprüfung lohnt sich, weil sich Geschäftsmodell, Zinsumfeld und Kreditpolitik der Banken ändern. Spätestens vor großen Investitionen, einer Nachfolge oder einer Phase starken Wachstums sollte die Struktur bewusst neu aufgestellt werden.
Aus der Bankersperspektive
Banken schätzen Unternehmen, die ihre Finanzierungsstruktur bewusst planen, statt Lücken spontan zu stopfen. Ein Finanzierungskonzept, das Laufzeiten, Sicherheiten und Bankenverteilung für die nächsten Jahre zeigt, stärkt die eigene Verhandlungsposition erheblich.
Häufige Fragen zum Thema Corporate Finance
Was macht man in Corporate Finance?
Man plant und steuert die Finanzierung eines Unternehmens: Kapitalbeschaffung, Kapitalstruktur, Investitionsentscheidungen und Transaktionen wie Unternehmenskäufe. Im Mittelstand steht meist die passende Kombination aus Bankkrediten, Leasing und Eigenkapital im Vordergrund.
Brauchen auch kleine Unternehmen Corporate Finance?
Ja, wenn auch in einfacherer Form. Schon die Frage, ob eine Maschine über Kredit, Leasing oder Eigenmittel finanziert wird und wie sich das auf Liquidität und Rating auswirkt, gehört dazu.
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