Delkredererisiko einfach erklärt
Der Ausdruck stammt aus dem Italienischen („del credere“ — für den Glauben, also das Vertrauen) und beschreibt das Risiko, dass ein Schuldner wegen fehlender Zahlungsfähigkeit ausfällt. Abzugrenzen ist es vom Streit über die Forderung selbst: Bestreitet der Kunde etwa eine Mängelfreiheit, ist das ein Gewährleistungs-, kein Delkredererisiko.
Für Unternehmen ist das Risiko oft größer, als es wirkt. Fällt ein wichtiger Kunde in die Insolvenz, ist nicht nur die Marge verloren, sondern der gesamte Rechnungsbetrag inklusive Material- und Lohnkosten. Bei geringen Umsatzrenditen muss ein Betrieb ein Vielfaches des ausgefallenen Betrags zusätzlich umsetzen, um den Verlust aufzuholen.
Das Delkredere lässt sich auf Dritte übertragen. Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko; beim unechten bleibt es beim Verkäufer, der Factor kann bei Ausfall Regress nehmen. Eine Warenkreditversicherung ersetzt einen Großteil des Ausfalls, meist mit Selbstbehalt. Auch Handelsvertreter können vertraglich für ihre Kunden einstehen und erhalten dafür eine besondere Delkredereprovision.
In der Bilanz zeigt sich das Risiko in Wertberichtigungen auf Forderungen: Zweifelhafte Forderungen werden einzeln abgewertet, für das allgemeine Ausfallrisiko kann eine Pauschalwertberichtigung gebildet werden. Wer das Risiko nicht auslagert, sollte es zumindest begrenzen — mit Kreditlimits je Kunde, Vorkasse bei Neukunden oder Eigentumsvorbehalt.
Besonders gefährlich ist die Kombination aus großem Einzelkunden und langem Zahlungsziel: Je mehr Ware ausgeliefert und noch nicht bezahlt ist, desto mehr Geld steht im Feuer. Wer regelmäßig Bonitätsauskünfte über seine wichtigsten Kunden einholt, erkennt Verschlechterungen oft Monate vor einem Ausfall.
Aus der Bankersperspektive
Die Bank schaut auf Klumpenrisiken: Entfällt ein großer Teil der Forderungen auf wenige Kunden, fragt sie nach deren Bonität und nach der Absicherung. Versicherte Forderungen werden bei der Sicherheitenbewertung in der Regel höher angerechnet als unversicherte.
Häufige Fragen zum Thema Delkredererisiko
Wie kann ich mich gegen Forderungsausfälle absichern?
Üblich sind Warenkreditversicherung, echtes Factoring, Vorkasse, Anzahlungen oder Bürgschaften und Garantien des Kunden. Dazu gehören interne Kreditlimits je Kunde.
Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?
Beim echten Factoring trägt der Factor das Ausfallrisiko. Beim unechten Factoring muss der Verkäufer das Geld zurückzahlen, wenn der Kunde nicht zahlt.
Wir begleiten mittelständische Unternehmen bei Finanzierung, Liquidität und Wachstum — aus der Bankersperspektive. Wir bereiten Ihre Zahlen so auf, wie ein Kreditentscheider sie lesen will, bevor es die Bank tut.