Regress

Rückgriff eines Leistenden auf einen Dritten, der eigentlich hätte zahlen müssen — etwa eines Bürgen auf den Schuldner oder eines Factors auf den Verkäufer einer Forderung.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Regress einfach erklärt

Regress bedeutet, dass jemand, der für einen anderen eingestanden ist, sich das Geld von diesem zurückholt. Das klassische Beispiel ist die Bürgschaft: Zahlt der Bürge an die Bank, geht die Forderung der Bank gegen den Hauptschuldner kraft Gesetzes auf ihn über (§ 774 BGB). Der Bürge kann dann beim Schuldner Regress nehmen — rechtlich ein klarer Anspruch, wirtschaftlich aber oft wertlos, wenn der Schuldner insolvent ist.

In der Unternehmensfinanzierung spielt Regress vor allem beim Factoring und bei der Forfaitierung eine Rolle. Beim echten Factoring übernimmt der Factor das Ausfallrisiko: Zahlt der Kunde wegen Zahlungsunfähigkeit nicht, kann er sich nicht beim Verkäufer schadlos halten. Für den rechtlichen Bestand der Forderung — etwa bei Mängelrügen — haftet der Verkäufer aber auch hier. Beim unechten Factoring bleibt das Ausfallrisiko beim Verkäufer, der Factor hat ein volles Regressrecht. Die Forfaitierung erfolgt typischerweise regresslos.

Auch Versicherungen nehmen Regress: Zahlt eine Warenkreditversicherung bei Forderungsausfall, gehen die Ansprüche gegen den säumigen Kunden auf den Versicherer über. Im Wechselrecht wiederum kann der Inhaber eines nicht eingelösten Wechsels auf frühere Unterzeichner zurückgreifen.

Für Unternehmen ist die Frage nach dem Regress vor allem eine Risikofrage. Ein Finanzierungsangebot ohne Regress ist teurer, nimmt aber das Ausfallrisiko aus dem Unternehmen. Mit Regress ist es günstiger, doch das Risiko bleibt im Haus — und muss in der Liquiditätsplanung und bei der Bonitätsprüfung der eigenen Kunden berücksichtigt werden. Beim Vergleich von Angeboten sollte deshalb nie nur die Gebühr, sondern immer auch die Risikoverteilung betrachtet werden.

Beispiel aus der Praxis: Ein Maschinenhändler verkauft Forderungen über 500.000 Euro im unechten Factoring. Ein Kunde mit einer offenen Rechnung über 40.000 Euro wird insolvent. Der Factor belastet den Händler mit dem Betrag zurück — der Ausfall trifft ihn trotz Forderungsverkauf in voller Höhe.

Aus der Bankersperspektive

Banken prüfen bei Factoring- und Garantieverträgen genau, wo das Ausfallrisiko tatsächlich liegt. Regressrisiken aus unechtem Factoring, Bürgschaften für Dritte oder Mithaftungen gehören offen in jede Bankunterlage — werden sie später entdeckt, beschädigt das das Vertrauen nachhaltig.

Häufige Fragen zum Thema Regress

Was bedeutet Factoring ohne Regress?

Der Factor übernimmt das Risiko, dass der Kunde nicht zahlt. Der Verkäufer haftet nur noch dafür, dass die Forderung tatsächlich besteht und keine Einwände wie Mängel dagegen bestehen.

Kann ein Bürge sein Geld vom Schuldner zurückfordern?

Ja. Mit der Zahlung geht die Forderung des Gläubigers auf den Bürgen über, er kann den Hauptschuldner in Regress nehmen. Ob er tatsächlich etwas erhält, hängt von dessen Zahlungsfähigkeit ab.

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