Factoring einfach erklärt
Ein Unternehmen liefert, stellt eine Rechnung mit 30 oder 60 Tagen Zahlungsziel aus — und verkauft diese Forderung an einen Factor. Der zahlt sofort einen Großteil des Betrags aus, häufig 80 bis 90 %. Der Rest wird als Sicherheitseinbehalt gutgeschrieben, sobald der Kunde bezahlt hat. Factoring wird meist als Rahmenvertrag für alle oder bestimmte Kunden vereinbart.
Factoring erfüllt bis zu drei Funktionen. Die Finanzierungsfunktion bringt sofort Liquidität. Die Delkrederefunktion nimmt dem Unternehmen beim echten Factoring das Delkredererisiko ab, also das Risiko eines Zahlungsausfalls. Beim unechten Factoring bleibt dieses Risiko beim Verkäufer. Die Dienstleistungsfunktion umfasst Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Bonitätsprüfung. Beim offenen Factoring wissen die Kunden Bescheid und zahlen an den Factor, beim stillen Verfahren nicht.
Ein Nebeneffekt betrifft die Bilanz. Beim echten Factoring verschwinden die Forderungen aus der Bilanz. Wird der Erlös zur Tilgung von Schulden genutzt, sinkt die Bilanzsumme, und die Eigenkapitalquote steigt. Die Kosten bestehen aus einer Factoringgebühr auf den Umsatz und Zinsen auf den ausgezahlten Betrag.
Zwei Stolpersteine sind typisch: Viele Hausbanken haben sich bereits alle Forderungen per Globalzession, einer Form der Sicherungsabtretung, abtreten lassen. Diese müssen für das Factoring freigegeben werden. Und manche Kunden schließen die Abtretung in ihren Einkaufsbedingungen aus — bei beiderseitigen Handelsgeschäften ist die Abtretung von Geldforderungen nach § 354a HGB aber trotzdem wirksam. Der Kunde darf dann allerdings weiterhin mit befreiender Wirkung an den Verkäufer zahlen.
Gut geeignet ist Factoring für Unternehmen mit wachsendem Umsatz, gewerblichen Kunden und klaren, unstrittigen Rechnungen. Bei vielen Teilleistungen, Gewährleistungsstreitigkeiten oder Projektgeschäft mit Abschlagsrechnungen wird es schwierig.
Aus der Bankersperspektive
Sprechen Sie Factoring früh mit der Hausbank ab, denn ihre Globalzession muss angepasst werden. Banken bewerten Factoring positiv, wenn es geplant und Teil eines Finanzierungskonzepts ist — als hastige Notlösung bei Liquiditätsengpässen dagegen kritisch.
Häufige Fragen zum Thema Factoring
Erfahren meine Kunden, dass ich Factoring nutze?
Beim offenen Factoring ja, die Kunden zahlen dann direkt an den Factor. Beim stillen Factoring merken sie davon nichts, das Verfahren ist aber nicht bei allen Anbietern und Unternehmensgrößen möglich.
Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?
Beim echten Factoring trägt der Factor das Ausfallrisiko, wenn ein Kunde nicht zahlt. Beim unechten Factoring holt er sich das Geld vom Verkäufer zurück.
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