- Jede Auskunftei hat ihre eigene Skala. Beim KSV1870 reicht sie von 100 bis 700, ab 400 gilt das Risiko als erhöht.
- Inkasso, Zahlungsanstände und fehlende Bilanzen wiegen am schwersten, auch Inkassofälle der Geschäftsführer zählen.
- Der Jahresabschluss muss binnen neun Monaten ins Firmenbuch. Säumige zahlen Zwangsstrafen ab 700 €.
- Aktuelle Unterlagen an Auskunftei, Bank und Kreditversicherer verbessern die Bewertung.
Bevor ein Lieferant auf Rechnung liefert, eine Bank einen Rahmen verlängert oder ein Kreditversicherer ein Limit freigibt, fragt er nach Ihrer Bonität. Die Antwort kommt selten von Ihnen, sondern meist von einer Auskunftei. Wie diese Bewertung entsteht und welche Hebel Sie selbst in der Hand haben, zeigt dieser Artikel.
Es gibt nicht die eine Bonität
Ihre Firmenbonität ist keine einzelne Zahl. Jede Auskunftei rechnet mit eigenen Daten und eigenen Modellen, und auch Banken und Kreditversicherer haben ihre internen Ratings. Die Werte können deshalb voneinander abweichen. Die wichtigsten Skalen in Österreich:
| Anbieter | Skala | Lesart |
|---|---|---|
| KSV1870 Rating | 100 bis 700 | Niedriger ist besser. Ab 400 gilt das Ausfallrisiko als überdurchschnittlich, 700 steht für Insolvenz. |
| Creditreform Bonitätsindex | 100 bis 600 | Niedriger ist besser. 500 und 600 bedeuten Zahlungsausfall. |
| Acredia Grading (Kreditversicherer) | 1 bis 10 | 1 ist die beste Bonität, 10 steht für Insolvenz. |
| Dun & Bradstreet | mehrere Scores | Ausfallrisiko in 12 Monaten, Risiko stark verspäteter Zahlungen, bisheriges Zahlungsverhalten. |
Beim KSV1870 entsprechen die Klassen grob folgenden Insolvenzwahrscheinlichkeiten für die nächsten zwölf Monate:
- 100 bis 299
- ab 0,01 %minimales bis sehr geringes Risiko
- 400 bis 499
- ab 1,73 %erhöhtes Risiko
- 600 bis 699
- ab 43,26 %sehr hohes Risiko
Was in die Bewertung einfließt
Der KSV1870 nennt für sein Unternehmensrating mehr als 20 Faktoren. Laut seiner veröffentlichten Musterauskunft zählen vor allem:
- Negativmerkmale: Zahlungsanstände, Inkassofälle, Insolvenzen, offenkundige Zahlungsunfähigkeit, Restrukturierungsverfahren.
- Inkasso im Verhältnis zum Umsatz und das Alter offener Inkassofälle.
- Bilanzkennzahlen, sofern ein aktueller Jahresabschluss vorliegt, dazu Umsatzwachstum und Umsatz je Mitarbeiter.
- Strukturdaten: Alter des Unternehmens, Rechtsform, Branche, Standort, Zahl der Bankverbindungen.
- Die Menschen dahinter: Inkassofälle der Geschäftsführer und Gesellschafter sowie Insolvenzen anderer Firmen, in denen sie tätig waren.
- Zwei menschliche Einschätzungen: „Zahlweise“ (aus Inkasso und Lieferantenauskünften) und „Beurteilung“ (Gesamtlage aus Bilanzen, Grundbuch, Banken und Branche).
Für Neugründungen im ersten Jahr verwendet der KSV1870 ein eigenes Modell, das vor allem Branche, Rechtsform und die Person des Gründers berücksichtigt. Fehlen Daten, rechnet ein Basismodell mit Strukturdaten.
Wer auf Ihre Bonität schaut
| Wer | Was es für Sie bedeutet |
|---|---|
| Lieferanten | Zahlungsziel, Kreditlimit, im schlechten Fall Lieferung nur gegen Vorkasse |
| Banken | Risikoklasse im internen Rating, damit Zinsen, Sicherheiten und die Frage, ob Rahmen verlängert werden |
| Kreditversicherer | Limits je Abnehmer: Streicht der Versicherer Ihr Limit, liefern Ihre Lieferanten oft nur noch eingeschränkt auf Rechnung |
| Leasinggesellschaften | Abfrage bei KSV1870 und CRIF vor jedem Vertrag |
| Öffentliche Auftraggeber | Ausschluss möglich bei Insolvenz, Abweisung mangels Vermögens oder Rückständen bei Steuern und Sozialversicherung (§ 78 BVergG 2018) |
| Förderstellen | „Unternehmen in Schwierigkeiten“ sind von den meisten Förderungen ausgeschlossen; geprüft wird meist anhand des letzten Jahresabschlusses |
Der Jahresabschluss ist der wichtigste Hebel
Kapitalgesellschaften müssen ihren Jahresabschluss spätestens neun Monate nach dem Bilanzstichtag beim Firmenbuch einreichen (§ 277 UGB). Diese Daten sind die Hauptquelle der Auskunfteien. Fehlt ein aktueller Abschluss, fehlen Ihrem Rating die positiven Argumente, und das Firmenbuchgericht verhängt Zwangsstrafen (§ 283 UGB):
- 700 € pro Geschäftsführer und zusätzlich gegen die Gesellschaft, bei Kleinstkapitalgesellschaften 350 €, ohne vorherige Androhung,
- bei weiterer Säumnis bis 3.600 €, alle zwei Monate wiederholt,
- bei mittelgroßen Gesellschaften das Dreifache, bei großen das Sechsfache.
Auch Banken reagieren auf veraltete Zahlen. Laut einer Präsentation der Kärntner Sparkasse vor der Wirtschaftskammer stuft die Bank Kunden automatisch herab, wenn die Unterlagen älter als 24 Monate sind, bei Personengesellschaften und Einzelunternehmen älter als 30 Monate.
Was Sie aktiv tun können
- Eigene Auskunft prüfenHolen Sie mindestens einmal im Jahr Ihr Firmenprofil und, als Geschäftsführer oder Einzelunternehmer, Ihre persönliche Auskunft bei KSV1870 und CRIF ein. Fehler lassen Sie mit Belegen korrigieren. Wie das geht, steht im Artikel Selbstauskunft.
- Abschluss früh einreichenNicht erst am letzten Tag der Neun-Monats-Frist. Ein guter Abschluss wirkt erst, wenn er im Firmenbuch steht.
- Unterlagen freiwillig liefernDer KSV1870 berücksichtigt auch Unterlagen, die Sie selbst schicken: aktuelle Saldenlisten, Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Finanzamt und Gesundheitskasse, eine Zwischenbilanz oder eine Fortbestehensprognose. Je aktueller, desto genauer die Bewertung.
- Inkasso vermeidenInkassofälle sind ein Kernfaktor, auch die privaten Fälle von Geschäftsführern und Gesellschaftern. Bestreiten Sie unberechtigte Forderungen schriftlich, bevor sie ans Inkasso gehen.
- Finanzamt und Gesundheitskasse im Griff behaltenRückstände dort sind ein typischer Insolvenztreiber, ein Ausschlussgrund bei öffentlichen Aufträgen und können zur persönlichen Haftung führen.
- Hausbank und Kreditversicherer informierenMindestens jährlich Abschluss und Planrechnung an die Bank. Kreditversicherer wie Acredia nehmen Finanzinformationen direkt entgegen.
Privat und Firma hängen zusammen
Für die Auskunfteien sind Unternehmen und die Menschen dahinter verbunden. Beim KSV1870 fließt die Bonität einer Firma, in der Sie Geschäftsführer oder Gesellschafter sind, in Ihre persönliche Bewertung ein. Eine Insolvenz dieser Firma wirkt sich negativ aus. Umgekehrt zählen Ihre privaten Inkassofälle im Score der Firma. Frühere Funktionen im Firmenbuch speichert der KSV1870 bis zu 30 Jahre.
Als Einzelunternehmer gibt es ohnehin keine Trennung. Die Bonität des Betriebs ist Ihre persönliche Bonität. Mehr dazu im Artikel Bonität nach Insolvenz und Sanierung.
- KSV1870: Folder „Rating und Bewertungsmodelle“ (06/2026)
- KSV1870: Musterauskunft nach Art. 15 DSGVO (Löschfristen, Scores, Datenbanken)
- Creditreform: Identität und Bonität (Bonitätsindex)
- Acredia: Grading
- § 277 UGB (Offenlegung)
- § 283 UGB (Zwangsstrafen)
- § 78 BVergG 2018 (Ausschlussgründe)
- FFG: Unternehmen in Schwierigkeiten
- Kärntner Sparkasse: Präsentation bei der WKO St. Veit (25.06.2025)
Stand Oktober 2026. Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Vertretung vor Gericht übernehmen Rechtsanwälte.
