Basel II einfach erklärt
Basel II ist eine Eigenkapitalvereinbarung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, eines Gremiums der Notenbanken und Aufsichtsbehörden wichtiger Finanzplätze. Sie wurde 2004 verabschiedet und in der EU über Richtlinien umgesetzt, in Deutschland vor allem über das Kreditwesengesetz und die Solvabilitätsverordnung, die ab 2007 galten. Ziel war, die Eigenkapitalvorschriften des ersten Basler Akkords stärker am tatsächlichen Risiko auszurichten.
Kern ist ein Drei-Säulen-Modell: Mindesteigenkapitalanforderungen (Säule 1), ein aufsichtliches Überprüfungsverfahren (Säule 2) und Offenlegungspflichten zur Stärkung der Marktdisziplin (Säule 3). Neu war vor allem Säule 1: Wie viel Eigenkapital eine Bank für einen Kredit vorhalten muss, hängt seitdem vom Ausfallrisiko des Kreditnehmers ab. Banken können dafür externe Ratings nutzen oder — mit Zustimmung der Aufsicht — eigene interne Ratingverfahren.
Für den Mittelstand war das ein Einschnitt. Seit Basel II erhält praktisch jeder Firmenkunde ein internes Rating, und die Konditionen richten sich nach diesem Rating: Ein schlechteres Rating bindet mehr Eigenkapital der Bank und verteuert den Kredit. Die Bedeutung von Jahresabschluss, Eigenkapitalquote und zeitnaher Information ist dadurch stark gestiegen. Auch weiche Faktoren wie Managementqualität, Nachfolgeregelung und Transparenz fließen in die Bewertung ein.
Nach der Finanzkrise 2008 zeigte sich, dass die Regeln nicht ausreichten, vor allem bei Qualität des Eigenkapitals und Liquidität der Banken. Sie wurden durch Basel III verschärft und ergänzt, die Grundlogik der risikoabhängigen Eigenkapitalunterlegung blieb aber erhalten. Wer die Logik von Basel II kennt, versteht deshalb auch, warum Banken heute so viel Wert auf aktuelle Zahlen und eine nachvollziehbare Planung legen.
Aus der Bankersperspektive
Das risikoabhängige Denken aus Basel II prägt bis heute jedes Kreditgespräch: Die Bank muss begründen, warum ein Kredit zum Rating des Kunden passt. Wer versteht, welche Kennzahlen sein Rating treiben, kann gezielt daran arbeiten und bessere Konditionen verhandeln.
Häufige Fragen zum Thema Basel II
Was hat Basel II mit meinem Kreditzins zu tun?
Seit Basel II hängt das Eigenkapital, das eine Bank für Ihren Kredit vorhalten muss, von Ihrem Rating ab. Ein schlechteres Rating verursacht der Bank höhere Kapitalkosten, die sie über den Zins weitergibt.
Gilt Basel II noch?
Die Grundlogik gilt weiter, die Regeln wurden aber durch Basel III verschärft und ergänzt. In der EU sind sie heute vor allem in der Kapitaladäquanzverordnung (CRR) und der zugehörigen Richtlinie verankert.
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