Roll-over-Darlehen

Mittel- bis langfristiger Kredit, dessen Zins in festen Abständen an einen Referenzzins wie den EURIBOR angepasst wird. Laufzeit und Zinsbindung sind dabei voneinander getrennt.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Roll-over-Darlehen einfach erklärt

Beim Roll-over-Darlehen stellt die Bank einen Kredit über mehrere Jahre bereit, legt den Zins aber nur für kurze Perioden fest — üblich sind drei oder sechs Monate. Am Ende jeder Periode wird der Zins neu berechnet: aus einem Referenzzinssatz, meist dem EURIBOR der entsprechenden Laufzeit, plus einer festen Marge, die das Risiko des Kreditnehmers abbildet. Die Marge bleibt über die Laufzeit in der Regel gleich, nur der Referenzzins schwankt.

Für den Kreditnehmer hat das zwei Seiten. Sinken die Marktzinsen, profitiert er sofort. Steigen sie, steigt auch seine Zinslast — ohne dass er darauf Einfluss hat. Anders als beim Festzinsdarlehen trägt er das Zinsänderungsrisiko selbst. Dafür ist eine vorzeitige Rückzahlung zu den Zinsanpassungsterminen meist ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich.

Roll-over-Darlehen sind bei größeren Unternehmensfinanzierungen, Übernahmen und Konsortialkrediten verbreitet. Um das Zinsrisiko zu begrenzen, kombinieren Unternehmen sie häufig mit Zinssicherungsinstrumenten wie einem Zinsswap oder einer Zinsobergrenze (Cap). Damit lässt sich ein variables Darlehen wirtschaftlich in eine feste oder nach oben begrenzte Belastung umwandeln. Diese Instrumente kosten allerdings Geld und sollten in Laufzeit und Betrag zum Kredit passen.

Abzugrenzen ist das Roll-over-Darlehen vom Kontokorrentkredit, der ebenfalls variabel verzinst ist, aber flexibel in Anspruch genommen wird. Für die Planung bedeutet ein variabler Zins: Die Kapitaldienstfähigkeit sollte auch bei deutlich höheren Zinsen gegeben sein. Wie stark sich das Marktzinsniveau innerhalb weniger Jahre verändern kann, hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt.

Beispiel aus der Praxis: Ein Industrieunternehmen finanziert eine Übernahme mit 5 Mio. Euro als Roll-over-Darlehen auf Basis des 3-Monats-EURIBOR plus 2,5 % Marge. Steigt der EURIBOR um einen Prozentpunkt, erhöht sich die Zinslast um 50.000 Euro pro Jahr. Für die Hälfte des Betrags sichert das Unternehmen den Zins deshalb über einen Swap ab.

Aus der Bankersperspektive

Bei variablen Finanzierungen rechnet die Bank die Kapitaldienstfähigkeit mit einem Zinsaufschlag durch — sie will sehen, dass auch steigende Zinsen tragbar sind. Ein durchdachtes Konzept zur Zinssicherung zeigt, dass das Management Finanzrisiken aktiv steuert.

Häufige Fragen zum Thema Roll-over-Darlehen

Wie oft ändert sich der Zins bei einem Roll-over-Darlehen?

Zu jedem vereinbarten Zinsanpassungstermin, meist alle drei oder sechs Monate. Der neue Zins richtet sich nach dem dann gültigen Referenzzins plus der festen Marge.

Kann man ein Roll-over-Darlehen vorzeitig zurückzahlen?

In der Regel ja, zu den Zinsanpassungsterminen und meist ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Die genauen Bedingungen regelt der Kreditvertrag.

MC
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