Kontokorrentkredit

Kreditlinie auf dem Geschäftskonto, die ein Unternehmen bis zu einem vereinbarten Limit flexibel nutzen kann. Zinsen fallen nur auf den tatsächlich beanspruchten Betrag an.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit

Kontokorrentkredit einfach erklärt

Der Begriff Kontokorrent stammt aus dem Italienischen und bedeutet „laufende Rechnung“: Die Bank verrechnet alle Ein- und Auszahlungen auf dem Geschäftskonto fortlaufend (§ 355 HGB). Der Kontokorrentkredit erlaubt, dieses Konto bis zu einem vereinbarten Limit ins Minus zu führen. Er ist die wichtigste kurzfristige Finanzierung im Mittelstand und fängt Schwankungen im Working Capital auf — etwa wenn Löhne und Lieferanten bezahlt werden müssen, bevor die Kunden zahlen.

Die Zinsen werden nur auf den tatsächlich genutzten Betrag berechnet, meist zu einem variablen Satz, der über dem eines Darlehens liegt. Manche Banken verlangen zusätzlich eine Provision auf die zugesagte Kreditlinie. Wird das Limit überschritten, fallen deutlich höhere Überziehungszinsen an. Anders als die private Dispolinie wird der Kontokorrentkredit individuell verhandelt und ist häufig besichert — oft durch eine Globalzession, also eine Sicherungsabtretung aller Kundenforderungen.

Der häufigste Fehler ist die Zweckentfremdung. Wer Maschinen, Fahrzeuge oder Verluste dauerhaft über den Kontokorrent finanziert, verliert seinen Puffer für das Tagesgeschäft und zahlt dafür den teuersten Zins. Bleibt das Konto über Monate nie im Plus, hat sich ein Sockel gebildet, der eigentlich in ein langfristiges Darlehen gehört. Die Umschuldung dieses Sockels verschafft wieder Luft und senkt meist die Zinskosten.

Hinzu kommt: Kontokorrentlinien werden oft unbefristet oder nur für kurze Zeit eingeräumt und bei der jährlichen Kreditüberprüfung neu bewertet. Die Bank kann sie unter den vereinbarten Bedingungen kürzen oder kündigen. Gerade in einer Krise kann das die Lage schlagartig verschärfen — ein weiterer Grund, langfristige Bedarfe nicht kurzfristig zu finanzieren und den Kontokorrent als das zu nutzen, wofür er gedacht ist: als atmenden Puffer.

Beispiel aus der Praxis: Ein Landschaftsbauer hat eine Kontokorrentlinie von 300.000 €. Im Frühjahr kauft er Material und stellt Saisonkräfte ein; die Inanspruchnahme steigt auf 280.000 €. Bis zum Herbst gehen die Schlussrechnungen ein, und das Konto steht wieder im Plus. Zinsen zahlt er nur für die Monate und Beträge, die er tatsächlich genutzt hat.

Aus der Bankersperspektive

Ein Kontokorrent, das ständig am Limit steht oder es überschreitet, gehört zu den deutlichsten Warnsignalen im Kontoverhalten — oft wird es lange vor dem Jahresabschluss sichtbar. Halten Sie Abstand zur Linie und wandeln Sie einen dauerhaft genutzten Sockel rechtzeitig in ein langfristiges Darlehen um.

Häufige Fragen zum Thema Kontokorrentkredit

Was kostet ein Kontokorrentkredit?

Sie zahlen Zinsen auf den genutzten Betrag, meist zu einem variablen Satz, der über dem von Darlehen liegt. Manche Banken berechnen zusätzlich eine Provision auf die zugesagte Linie; bei Überschreitung des Limits werden höhere Überziehungszinsen fällig.

Kann die Bank den Kontokorrentkredit kündigen?

Ja. Kontokorrentlinien werden häufig unbefristet oder für kurze Zeit eingeräumt und können unter den vereinbarten Bedingungen gekündigt oder gekürzt werden. Deshalb sollten langfristige Investitionen nicht darüber finanziert werden.

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