Kapitaldienstfähigkeit

Maß dafür, ob ein Unternehmen Zins und Tilgung seiner Kredite dauerhaft aus dem eigenen Cashflow bezahlen kann — und damit das wichtigste Kriterium für jede Kreditzusage.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit

Kapitaldienstfähigkeit einfach erklärt

Für die Kapitaldienstfähigkeit stellt die Bank den nachhaltig verfügbaren Cashflow dem jährlichen Kapitaldienst aller Kredite gegenüber. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes gutes Jahr, sondern ob die Zahlungen auch in normalen und schwächeren Jahren gedeckt sind. Das Ergebnis wird oft als Deckungsgrad ausgedrückt, international als Debt Service Coverage Ratio (DSCR).

Die Berechnung beginnt meist beim Jahresüberschuss. Hinzugerechnet werden Abschreibungen und Zinsaufwand, also Positionen, die den Gewinn mindern, aber kein Geld kosten oder ohnehin Teil des Kapitaldienstes sind. Anschließend bereinigt die Bank um Einmaleffekte wie Gewinne aus Anlagenverkäufen oder Versicherungserstattungen. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften zieht sie Privatentnahmen und persönliche Steuern ab. Als vereinfachte Annäherung wird auch das EBITDA verwendet.

Ein Deckungsgrad von 1 bedeutet: Der Cashflow reicht genau. Banken erwarten einen Puffer, häufig in der Größenordnung von 1,2 oder mehr, damit schwächere Jahre nicht sofort zum Problem werden. Bei Neuinvestitionen fließt zusätzlich der erwartete Mehrertrag ein — gestützt auf eine nachvollziehbare Planung, die zeigt, wann und wodurch der zusätzliche Cashflow entsteht. Liegt der Wert dauerhaft unter 1, muss das Unternehmen Zins und Tilgung aus der Substanz oder über neue Schulden bezahlen.

Wichtig: Kreditsicherheiten ersetzen die Kapitaldienstfähigkeit nicht. Sie sind die zweite Verteidigungslinie für den Fall, dass die Rückzahlung aus dem Geschäft scheitert. Ein Kredit, der nur wegen guter Sicherheiten vergeben wird, obwohl der Kapitaldienst nicht darstellbar ist, widerspricht den Risikoregeln der Banken — und ein Unternehmen, das so finanziert wird, lebt auf Dauer von seiner Substanz.

Beispiel aus der Praxis: Ein Handelsunternehmen erzielt einen Jahresüberschuss von 180.000 €, hat 120.000 € Abschreibungen und 50.000 € Zinsaufwand — zusammen 350.000 € Cashflow vor Kapitaldienst. Zins und Tilgung aller Kredite betragen 250.000 € im Jahr. Der Deckungsgrad liegt bei 1,4; die Bank sieht genug Puffer, um eine zusätzliche Finanzierung zu prüfen.

Aus der Bankersperspektive

Die Bank rechnet mit dem nachhaltigen, um Einmaleffekte bereinigten Ergebnis — nicht mit Ihrem besten Jahr. Wer Lebenshaltungskosten oder Entnahmen zu niedrig ansetzt, verliert an Glaubwürdigkeit. Bereiten Sie eine eigene Kapitaldienstrechnung vor; dann diskutieren Sie im Gespräch über Ihre Annahmen statt über die der Bank.

Häufige Fragen zum Thema Kapitaldienstfähigkeit

Wie berechnet die Bank die Kapitaldienstfähigkeit?

Vereinfacht: Jahresüberschuss plus Abschreibungen plus Zinsaufwand, bereinigt um Einmaleffekte und Entnahmen. Dieser Betrag wird dem jährlichen Kapitaldienst aus Zins und Tilgung aller Kredite gegenübergestellt.

Was kann ich tun, wenn die Kapitaldienstfähigkeit nicht ausreicht?

Möglich sind längere Laufzeiten, tilgungsfreie Jahre, die Umschuldung teurer Kredite oder ein höherer Eigenanteil. Dauerhaft hilft nur ein höherer Cashflow — durch bessere Margen, geringere Kosten oder weniger gebundenes Kapital in Lager und Forderungen.

MC
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