Schuldverschreibung

Verbriefte Forderung, mit der sich ein Emittent bei Anlegern Geld leiht und Zins sowie Rückzahlung verspricht. Als Anleihe dient sie Staaten und Unternehmen zur Finanzierung.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Schuldverschreibung einfach erklärt

Eine Schuldverschreibung verbrieft ein Darlehen: Der Herausgeber, der Emittent, erhält Kapital von Anlegern und verpflichtet sich, es zu einem festgelegten Termin zurückzuzahlen und bis dahin Zinsen — den Kupon — zu zahlen. Die Inhaberschuldverschreibung ist in den §§ 793 ff. BGB geregelt, weitere Regeln für Anleihen enthält das Schuldverschreibungsgesetz. Im Alltag wird meist von Anleihen gesprochen.

Anders als beim Bankkredit wird das Geld bei vielen Anlegern eingesammelt; die Anleihe ist in Teilbeträge gestückelt und kann an der Börse gehandelt werden. Die Rückzahlung erfolgt üblicherweise endfällig in einer Summe. Für den Emittenten ist die Schuldverschreibung Fremdkapital. Nachrangige Varianten oder Wandelanleihen können wirtschaftlich in die Nähe von Mezzanine-Kapital rücken.

Für den Mittelstand wurden in Deutschland ab etwa 2010 eigene Börsensegmente für sogenannte Mittelstandsanleihen geschaffen. Die Erfahrungen sind gemischt: Einige Emittenten konnten sich unabhängiger von Banken finanzieren, eine Reihe von Anleihen fiel jedoch aus. Das Instrument eignet sich vor allem für größere Unternehmen mit bekanntem Namen und stabilen Erträgen. Als bankennahe Alternative nutzen viele Mittelständler das Schuldscheindarlehen.

Eine Anleihe-Emission ist aufwendig: Wertpapierprospekt oder Informationsblatt, gegebenenfalls ein externes Rating, Zahlstelle, Platzierung und laufende Veröffentlichungspflichten verursachen erhebliche Kosten. Hinzu kommt das Rückzahlungsrisiko am Laufzeitende: Dann muss der gesamte Betrag zurückgezahlt oder abgelöst werden — eine Refinanzierung in schwacher Ergebnislage ist schwierig. Im Gegenzug sind Anleihen oft ohne klassische Kreditsicherheiten und mit weniger Covenants ausgestattet als Bankkredite.

Beispiel aus der Praxis: Ein Familienunternehmen mit 150 Mio. Euro Umsatz begibt eine fünfjährige Anleihe über 25 Mio. Euro mit festem Kupon und finanziert damit ein neues Werk. Für die Rückzahlung plant es eine Kombination aus angesparten Mitteln und einer Anschlussfinanzierung über ein Schuldscheindarlehen. Die Gespräche dazu beginnen zwei Jahre vor Fälligkeit.

Aus der Bankersperspektive

Für Banken ist eine ausstehende Anleihe ein großer Fälligkeitsblock, den sie bei jeder weiteren Kreditentscheidung mitdenken. Wer eine Anleihe begibt, sollte der Hausbank früh zeigen, wie die Rückzahlung strukturiert ist — sonst wird sie mit neuen Linienzusagen vorsichtig.

Häufige Fragen zum Thema Schuldverschreibung

Was ist der Unterschied zwischen Schuldverschreibung und Aktie?

Mit einer Schuldverschreibung wird der Anleger Gläubiger und erhält Zinsen und Rückzahlung. Mit einer Aktie wird er Miteigentümer, trägt das unternehmerische Risiko und ist am Gewinn beteiligt.

Für welche Unternehmen lohnt sich eine Anleihe?

Vor allem für größere Unternehmen mit stabilen Erträgen, einem gewissen Bekanntheitsgrad und einem Finanzierungsbedarf, der die hohen Emissionskosten rechtfertigt. Für die meisten kleinen und mittleren Betriebe sind Bankkredite und Förderdarlehen einfacher und günstiger.

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