EZB einfach erklärt
Die Europäische Zentralbank ist gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken der Euroländer — in Deutschland der Deutschen Bundesbank — für die Geldpolitik im Euroraum zuständig. Dieser Verbund heißt Eurosystem. Vorrangiges Ziel ist die Preisstabilität: Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 % an.
Ihr wichtigstes Werkzeug sind die Leitzinsen. Zu diesen Sätzen können sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen oder dort Geld anlegen. Ändert die EZB sie, verändern sich die Kosten der Refinanzierung der Banken und damit die Zinsen am Geldmarkt. Daneben kann sie Wertpapiere kaufen oder verkaufen und so die längerfristigen Zinsen beeinflussen. Steigt die Inflation deutlich über das Ziel, hebt sie die Zinsen in der Regel an; ist die Wirtschaft schwach und die Teuerung niedrig, senkt sie sie.
Seit 2014 ist die EZB zudem Bankenaufseherin. Sie beaufsichtigt die bedeutenden Banken im Euroraum direkt. Kleinere Institute, darunter die meisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken, werden weiterhin von der BaFin und der Bundesbank beaufsichtigt — unter dem gemeinsamen Dach der europäischen Aufsicht.
Für Unternehmen wirkt die EZB vor allem indirekt. Variable Kredite, die an einen Referenzzins wie den Euribor gekoppelt sind, reagieren schnell auf Zinsentscheidungen. Bei Festzinsdarlehen spüren Unternehmen Veränderungen erst bei Neuabschluss oder Anschlussfinanzierung, denn deren Zinsen orientieren sich stärker an den Kapitalmarktzinsen für längere Laufzeiten. Auch die Aufsichtsanforderungen an Banken, etwa beim Eigenkapital, beeinflussen, wie großzügig diese Kredite vergeben.
Aus der Bankersperspektive
Zinsentscheidungen der EZB kommen über die Refinanzierungskosten der Bank bei Ihren Konditionen an — bei variablen Krediten schnell, bei festen erst später. Planen Sie in Ihrer Finanzplanung mit Zinsszenarien, statt auf eine bestimmte Entwicklung zu setzen.
Häufige Fragen zum Thema EZB
Was bedeutet eine Leitzinserhöhung der EZB für meinen Firmenkredit?
Variabel verzinste Kredite und Kontokorrentlinien werden meist zeitnah teurer. Bei Festzinsdarlehen ändert sich bis zum Ende der Zinsbindung nichts.
Beaufsichtigt die EZB auch meine Hausbank?
Direkt nur, wenn es sich um eine bedeutende Bank handelt. Die meisten Sparkassen und Volksbanken werden von BaFin und Bundesbank beaufsichtigt, innerhalb des europäischen Aufsichtssystems.
Wir begleiten mittelständische Unternehmen bei Finanzierung, Liquidität und Wachstum — aus der Bankersperspektive. Wir bereiten Ihre Zahlen so auf, wie ein Kreditentscheider sie lesen will, bevor es die Bank tut.