Leitzins

Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen oder dort anlegen. Im Euroraum legt ihn die EZB fest; er beeinflusst die Kredit- und Anlagezinsen der Banken.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit

Leitzins einfach erklärt

Mit dem Leitzins steuert eine Zentralbank, wie teuer Geld im Bankensystem ist. Im Euroraum entscheidet der Rat der EZB über drei Sätze: den Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken regulär Geld leihen, den Einlagesatz für Guthaben bei der Zentralbank und den Spitzenrefinanzierungssatz für Übernachtkredite. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist mit Leitzins meist der Hauptrefinanzierungssatz gemeint; für die Geldmarktzinsen ist in der Praxis inzwischen vor allem der Einlagesatz maßgeblich.

Die Wirkung läuft über eine Kette. Ändert sich der Leitzins, folgen die Geldmarktzinsen wie der Euribor meist rasch. Variable Kredite und Kontokorrentlinien, deren Zins an solche Sätze gekoppelt ist, werden dadurch zeitnah teurer oder günstiger. Langfristige Zinsen für Festzinsdarlehen bilden sich dagegen am Kapitalmarkt; sie hängen vor allem davon ab, welche Leitzinsen und welche Inflation die Märkte für die Zukunft erwarten — mehr dazu unter Marktzinsniveau.

Ziel der EZB ist Preisstabilität. Steigt die Inflation deutlich über das Ziel, erhöht sie die Zinsen, um Kredite zu verteuern und die Nachfrage zu dämpfen. Ist die Inflation niedrig und die Wirtschaft schwach, senkt sie die Zinsen. Für Banken verändert der Leitzins die Kosten ihrer eigenen Refinanzierung — und damit die Konditionen, die sie an ihre Kunden weitergeben.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem ein Zinsänderungsrisiko bei variabel verzinsten Krediten. Wer einen hohen Anteil variabler Finanzierung hat, sollte durchrechnen, was ein Anstieg um ein oder zwei Prozentpunkte für den Kapitaldienst bedeutet. Abhilfe schaffen längere Zinsbindungen oder Zinssicherungsinstrumente, die etwa eine Obergrenze für den Zins festlegen. Umgekehrt profitieren variable Finanzierungen unmittelbar, wenn die Zinsen sinken.

Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen hat 1 Mio. € an variabel verzinsten Krediten, deren Zins an einen Geldmarktsatz gekoppelt ist. Hebt die EZB den Leitzins um einen Prozentpunkt an und zieht der Geldmarkt entsprechend nach, steigen die Zinskosten um rund 10.000 € pro Jahr. Mit einem Festzinsdarlehen oder einer Zinssicherung hätte sich dieser Anstieg begrenzen lassen.

Aus der Bankersperspektive

Die Bank prüft bei variablen Finanzierungen, ob Ihr Kapitaldienst auch bei steigenden Zinsen tragbar bleibt — oft mit einem pauschalen Zinsaufschlag als Stresstest. Eine eigene Übersicht, welcher Teil Ihrer Schulden fest und welcher variabel verzinst ist, zeigt dem Kreditentscheider, dass Sie das Risiko im Griff haben.

Häufige Fragen zum Thema Leitzins

Wie wirkt sich eine Leitzinsänderung auf meinen Firmenkredit aus?

Bei variablen Krediten wie dem Kontokorrent oder an den Euribor gekoppelten Darlehen meist zeitnah. Bestehende Festzinsdarlehen bleiben bis zum Ende der Zinsbindung unverändert; erst bei der Anschlussfinanzierung wirkt sich das neue Zinsniveau aus.

Wer legt den Leitzins im Euroraum fest?

Der EZB-Rat, in dem die Mitglieder des EZB-Direktoriums und die Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums sitzen. Er entscheidet in regelmäßigen geldpolitischen Sitzungen über die Höhe der Zinssätze.

MC
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