Kassenkredit einfach erklärt
Ein Kassenkredit soll die Zahlungsfähigkeit sichern, wenn Einnahmen später eingehen, als Ausgaben fällig werden. Bekannt ist der Begriff vor allem aus den öffentlichen Haushalten: Kommunen nehmen Kassenkredite — heute oft Liquiditätskredite genannt — auf, um etwa Gehälter zu zahlen, bevor Steuereinnahmen und Zuweisungen eingehen. Das Haushaltsrecht erlaubt sie nur zur Überbrückung, nicht zur Finanzierung von Investitionen.
In Unternehmen übernimmt diese Aufgabe meist der Kontokorrentkredit. Daneben gibt es kurzfristige Barkredite mit festem Betrag und einer Laufzeit von wenigen Tagen bis einigen Monaten, die aus einer bestehenden Kreditlinie abgerufen werden. Auch sie dienen dem Ausgleich zeitlicher Lücken zwischen Ein- und Auszahlungen, etwa vor einem großen Zahlungseingang oder zur Spitzenfinanzierung in der Saison. Die Zinsen richten sich meist nach einem kurzfristigen Referenzsatz plus Aufschlag.
Kritisch wird es, wenn kurzfristige Kredite dauerhaft genutzt werden. Dann finanzieren sie in Wahrheit keine Lücke mehr, sondern Verluste oder langfristig gebundenes Vermögen. Bei Kommunen gelten dauerhaft hohe Kassenkreditbestände als Zeichen struktureller Unterfinanzierung; in Unternehmen ist es nicht anders. Die Folge ist ein Fristenproblem: Der Kredit kann gekündigt oder gekürzt werden, bevor das gebundene Geld zurückfließt.
Sinnvoll eingesetzt wird ein Kassenkredit im Rahmen einer vorausschauenden Finanzdisposition. Sie zeigt, wann Spitzen auftreten und wie lange sie dauern. Ein dauerhaft benötigter Sockel sollte langfristig finanziert werden; nur die echten Schwankungen gehören in den kurzfristigen Bereich. So bleibt die Liquidität auch dann gesichert, wenn die Bank eine Linie einmal reduziert.
Aus der Bankersperspektive
Die Bank achtet darauf, ob ein kurzfristiger Kredit tatsächlich schwankt und regelmäßig zurückgeführt wird. Eine Linie, die dauerhaft am Limit steht, deutet auf einen Finanzierungsbedarf hin, der langfristig gedeckt werden müsste — und wird im Rating kritisch gesehen.
Häufige Fragen zum Thema Kassenkredit
Was ist der Unterschied zwischen Kassenkredit und Kontokorrentkredit?
Beide überbrücken kurzfristige Liquiditätslücken. Der Kontokorrentkredit ist eine laufende Kreditlinie auf dem Geschäftskonto, während unter Kassenkredit häufig ein separat aufgenommener kurzfristiger Kredit verstanden wird — der Begriff ist vor allem bei Kommunen gebräuchlich.
Darf ein Kassenkredit für Investitionen genutzt werden?
Er ist dafür nicht gedacht. Kurzfristige Mittel für langfristige Investitionen zu verwenden, gefährdet die Zahlungsfähigkeit, weil der Kredit fällig werden kann, bevor sich die Investition bezahlt gemacht hat.
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