Karenzzeit

Zeitraum zu Beginn eines Darlehens, in dem noch nicht getilgt wird. Der Kreditnehmer zahlt in dieser Phase in der Regel nur Zinsen; die Rückzahlung beginnt erst danach.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Karenzzeit einfach erklärt

Tilgungsfreie Anlaufjahre — im Kreditjargon Karenzzeit oder Freijahre — sind vor allem bei einem Förderkredit üblich, kommen aber auch bei Investitions- und Gründungsfinanzierungen der Banken vor. Ihre Länge hängt vom Programm und von der Gesamtlaufzeit ab; meist sind es ein bis wenige Jahre. Sie werden von Anfang an im Kreditvertrag vereinbart.

Der Zweck liegt auf der Hand: Viele Investitionen bringen nicht sofort Ertrag. Eine neue Fertigungslinie muss installiert und eingefahren, ein übernommener Betrieb neu aufgestellt, ein junges Unternehmen erst einmal am Markt etabliert werden. Die Karenzzeit passt den Kapitaldienst an diese Anlaufphase an und schont in den ersten Jahren die Liquidität. Auch bei Unternehmensnachfolgen ist sie verbreitet, weil der neue Inhaber zunächst Kunden, Mitarbeiter und Abläufe kennenlernen muss.

Der Preis dafür: Die Schuld bleibt länger in voller Höhe bestehen, die gesamten Zinskosten steigen. Außerdem muss nach der Karenzzeit in kürzerer Zeit getilgt werden, die Raten fallen also höher aus als bei einem Darlehen ohne Freijahre. Dieser Sprung gehört in jede Liquiditätsplanung — sonst kommt er als unangenehme Überraschung, oft genau dann, wenn das Geschäft gerade erst Tritt fasst.

Abzugrenzen ist die Karenzzeit von der Stundung: Diese wird nachträglich vereinbart, meist weil der Kreditnehmer in Schwierigkeiten geraten ist, und wird von der Bank entsprechend kritischer gesehen. Außerhalb der Finanzierung hat der Begriff andere Bedeutungen — etwa als Wartezeit in Versicherungsverträgen oder als Dauer eines nachvertraglichen Wettbewerbsverbots im Arbeitsrecht.

Beispiel aus der Praxis: Ein Gründer finanziert die Übernahme eines Malerbetriebs mit einem Förderdarlehen über 200.000 €, zehn Jahre Laufzeit, davon zwei tilgungsfreie Jahre. In den ersten beiden Jahren zahlt er nur Zinsen. Danach wird das Darlehen in acht Jahren getilgt — mit 25.000 € statt 20.000 € Tilgung pro Jahr.

Aus der Bankersperspektive

Tilgungsfreie Jahre verschieben die Belastung, sie lösen sie nicht: Die Bank prüft, ob der Kapitaldienst nach Ende der Karenzzeit tragfähig ist. Zeigen Sie in Ihrer Planung ausdrücklich das erste volle Tilgungsjahr — dorthin schaut der Kreditentscheider zuerst.

Häufige Fragen zum Thema Karenzzeit

Muss ich während der Karenzzeit gar nichts zahlen?

Doch, in der Regel fallen weiterhin Zinsen an, die laufend zu zahlen sind. Ausgesetzt ist nur die Tilgung.

Macht eine Karenzzeit den Kredit teurer?

Meist ja, weil die volle Darlehenssumme länger verzinst wird. Dafür gewinnen Sie in der Anlaufphase Liquidität, was bei Investitionen mit Vorlaufzeit sinnvoll sein kann.

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