Kennzahlen einfach erklärt
Kennzahlen fassen umfangreiche Daten aus Buchhaltung, Bilanz und Betrieb in wenigen aussagekräftigen Werten zusammen. Es gibt absolute Zahlen wie Umsatz oder Rohertrag und Verhältniszahlen, die zwei Größen in Beziehung setzen — etwa Gewinn zu Umsatz oder Eigenkapital zu Bilanzsumme. Ihr Nutzen liegt im Vergleich: mit Vorjahren, mit dem Plan, mit Wettbewerbern oder mit Branchenwerten. Damit dieser Vergleich trägt, müssen die Kennzahlen immer nach derselben Methode berechnet werden.
Für die Finanzierung sind vier Gruppen besonders wichtig. Die Kapitalstruktur beschreiben Eigenkapitalquote und Verschuldungsgrad. Die Ertragskraft zeigt sich in Rentabilität und Margen. Die Schuldentragfähigkeit messen Kapitaldienstfähigkeit, Entschuldungsdauer und Zinsdeckungsgrad. Hinzu kommen Liquiditäts- und Umschlagskennzahlen wie Liquiditätsgrade, Lagerreichweite oder die durchschnittliche Zahlungsdauer der Kunden.
Kennzahlen haben Grenzen. Sie stammen meist aus der Vergangenheit, lassen sich durch Bilanzierungsentscheidungen beeinflussen und unterscheiden sich stark zwischen Branchen: Ein Wert, der im Handel solide ist, kann für einen Anlagenbauer knapp sein. Eine einzelne Kennzahl sagt deshalb wenig — aussagekräftig wird erst das Zusammenspiel mehrerer Werte und ihre Entwicklung über mehrere Perioden.
Im Mittelstand bewährt sich ein überschaubares Set, das monatlich aus der BWA abgeleitet wird und für jede Kennzahl einen Zielwert und eine Warnschwelle enthält. So wird das Kennzahlensystem zum Frühwarnsystem. Viele Kreditverträge knüpfen zudem Auflagen an bestimmte Kennzahlen, sogenannte Covenants. Wer diese Werte selbst laufend verfolgt, erkennt früh, wenn ein Verstoß droht, und kann mit der Bank reden, bevor sie selbst darauf stößt.
Aus der Bankersperspektive
Banken rechnen aus Ihren Abschlüssen ein festes Kennzahlenset, das direkt ins Rating einfließt — vor allem Eigenkapitalquote, Entschuldungsdauer, Kapitaldienstfähigkeit und Rentabilität. Wer diese Werte selbst kennt und Ausreißer erklären kann, führt das Bankgespräch auf Augenhöhe.
Häufige Fragen zum Thema Kennzahlen
Welche Kennzahlen sind für die Bank am wichtigsten?
Im Mittelpunkt stehen meist Eigenkapitalquote, Verschuldung im Verhältnis zum Cashflow, Kapitaldienstfähigkeit und Rentabilität. Je nach Branche kommen Liquiditäts- und Umschlagskennzahlen hinzu.
Wie viele Kennzahlen sollte ein Mittelständler regelmäßig verfolgen?
Lieber wenige und konsequent als viele und sporadisch. Fünf bis zehn Kennzahlen, monatlich aus der BWA abgeleitet und mit Zielwerten versehen, reichen für eine wirksame Steuerung meist aus.
Wir begleiten mittelständische Unternehmen bei Finanzierung, Liquidität und Wachstum — aus der Bankersperspektive. Wir bereiten Ihre Zahlen so auf, wie ein Kreditentscheider sie lesen will, bevor es die Bank tut.