Projektfinanzierung einfach erklärt
Bei der Projektfinanzierung steht nicht das Unternehmen im Mittelpunkt der Kreditprüfung, sondern das Projekt selbst: ein Windpark, eine Solaranlage, eine Immobilie oder ein Kraftwerk. Für das Vorhaben wird in der Regel eine eigene Gesellschaft gegründet, ein Special Purpose Vehicle. Sie schließt die Verträge, nimmt die Kredite auf und erhält die Einnahmen.
Zentral ist das Cashflow-Prinzip: Banken finanzieren, wenn die prognostizierten Einnahmen den Kapitaldienst mit ausreichendem Puffer decken. Gemessen wird das unter anderem am Schuldendienstdeckungsgrad, international als DSCR bezeichnet. Die Initiatoren haften meist nur begrenzt oder gar nicht mit ihrem übrigen Vermögen — man spricht von Limited Recourse oder Non Recourse.
Weil die Bank allein auf das Projekt angewiesen ist, prüft sie es sehr genau: Gutachten zu Erträgen und Kosten, Verträge mit Abnehmern und Lieferanten, Genehmigungen, Versicherungen sowie Risiken in Bau- und Betriebsphase. Diese Risiken werden vertraglich auf die Beteiligten verteilt. Typisch sind zudem Reservekonten für den Schuldendienst, die Verpfändung aller Projektrechte und strenge Covenants.
Für Mittelständler ist die Projektfinanzierung vor allem bei Energie- und Immobilienvorhaben relevant. Der Vorteil: Das Projekt belastet die Bilanz des Stammunternehmens weniger als eine direkte Kreditaufnahme und kann so dessen Rating schonen. Der Nachteil: Strukturierung, Gutachten und Verträge sind aufwendig, sodass sich die Form erst ab einer gewissen Projektgröße lohnt. Für kleinere Vorhaben ist ein klassischer Investitionskredit meist einfacher und günstiger.
Aus der Bankersperspektive
Bei Projektfinanzierungen rechnet die Bank mit vorsichtigen Annahmen — etwa geringeren Erträgen als im Gutachten — und will auch dann eine Deckung des Kapitaldienstes mit Puffer sehen. Wer früh belastbare Ertragsgutachten, Genehmigungen und Abnahmeverträge vorlegt, verkürzt die Prüfung erheblich.
Häufige Fragen zum Thema Projektfinanzierung
Was ist der Unterschied zwischen Projektfinanzierung und Unternehmenskredit?
Beim Unternehmenskredit haftet das gesamte Unternehmen, und die Bank prüft dessen Bonität. Bei der Projektfinanzierung wird der Kredit vor allem aus den Einnahmen eines einzelnen Projekts zurückgezahlt, das meist in einer eigenen Gesellschaft liegt.
Ab welcher Größe lohnt sich eine Projektfinanzierung?
Wegen der hohen Kosten für Strukturierung, Gutachten und Verträge lohnt sie sich meist erst bei größeren Vorhaben im Millionenbereich. Kleinere Projekte lassen sich oft günstiger über klassische Investitionskredite finanzieren.
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