Special Purpose Vehicle (SPV)

Rechtlich eigenständige Gesellschaft, die nur für ein bestimmtes Vorhaben gegründet wird — etwa ein Projekt, eine Immobilie oder einen Unternehmenskauf — und dessen Risiken abschirmt.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Special Purpose Vehicle (SPV) einfach erklärt

Ein Special Purpose Vehicle, kurz SPV oder auf Deutsch Zweckgesellschaft, hat genau eine Aufgabe. Es hält zum Beispiel eine Gewerbeimmobilie, betreibt einen Solarpark oder erwirbt die Anteile an einem Zielunternehmen. Typische Rechtsformen im Mittelstand sind die GmbH oder die GmbH & Co. KG. Das SPV hat eigene Verträge, eine eigene Bilanz und eigene Schulden.

Der wichtigste Zweck ist die Trennung von Risiken, englisch Ring-Fencing. Geht das Vorhaben schief, haften grundsätzlich nur das Vermögen der Zweckgesellschaft und die Sicherheiten, die für sie gestellt wurden — nicht das gesamte Unternehmen der Gesellschafter. Umgekehrt bleibt das Projekt geschützt, wenn es im Hauptunternehmen Probleme gibt. Bei der Projektfinanzierung beruht die Kreditentscheidung deshalb vor allem auf den Zahlungsströmen des Projekts selbst.

Weitere Einsatzfelder sind die Akquisitionsfinanzierung, bei der eine Erwerbergesellschaft den Kaufpreis aufnimmt, ein Joint Venture mehrerer Partner und die Trennung von Betriebs- und Immobilienvermögen. Auch steuerliche Überlegungen spielen eine Rolle, etwa wenn einzelne Investitionen später getrennt verkauft werden sollen.

Ein SPV bringt aber auch Aufwand mit: eigene Buchhaltung, eigener Jahresabschluss, Verträge zwischen den Gesellschaften und gegebenenfalls Konzernrechnungslegung. Ob eine Zweckgesellschaft in einen Konzernabschluss einbezogen werden muss, hängt davon ab, wer wirtschaftlich die Chancen und Risiken trägt. Die erhoffte Risikotrennung wirkt außerdem nur so weit, wie die Gesellschafter keine persönlichen Bürgschaften oder Patronatserklärungen abgeben.

Beispiel aus der Praxis: Ein Logistikunternehmen will eine neue Halle für 4 Millionen Euro bauen. Es gründet dafür eine Objekt-GmbH & Co. KG, die die Halle errichtet und an das Betriebsunternehmen vermietet. Die Bank finanziert 3,2 Millionen Euro und stützt sich auf die Mieteinnahmen sowie eine Grundschuld; in der Bilanz der Betriebsgesellschaft taucht dieser Kredit nicht auf.

Aus der Bankersperspektive

Die Bank prüft beim SPV vor allem, ob die Zahlungsströme der Gesellschaft den Kapitaldienst allein tragen. Da sie nur auf das SPV zugreifen kann, verlangt sie oft zusätzlichen Rückhalt der Gesellschafter — etwa eine Patronatserklärung, eine Bürgschaft oder einen festen Eigenkapitalanteil.

Häufige Fragen zum Thema Special Purpose Vehicle (SPV)

Wozu gründet man eine Zweckgesellschaft?

Vor allem, um die Risiken eines Vorhabens vom übrigen Unternehmen zu trennen. Außerdem lassen sich Finanzierung, Beteiligungen von Partnern und ein späterer Verkauf sauberer regeln.

Haftet die Muttergesellschaft für die Schulden eines SPV?

Grundsätzlich nicht, solange sie keine Bürgschaft, Garantie oder Patronatserklärung abgegeben hat. Banken verlangen solche Zusagen allerdings häufig, wodurch die Risikotrennung teilweise wieder aufgehoben wird.

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