Bürgschaft

Vertrag, in dem sich ein Dritter verpflichtet, für die Schulden eines anderen einzustehen, wenn dieser nicht zahlt. Im Mittelstand verlangen Banken häufig Bürgschaften der Gesellschafter.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Bürgschaft einfach erklärt

Mit einer Bürgschaft verpflichtet sich der Bürge gegenüber dem Gläubiger, für die Verbindlichkeit eines Dritten — des Hauptschuldners — einzustehen (§§ 765 ff. BGB). Sie ist akzessorisch, hängt also am Bestand der Hauptschuld: Wird der Kredit vollständig zurückgezahlt, erlischt auch die Bürgschaft. Für Privatpersonen muss die Bürgschaftserklärung schriftlich erfolgen; für Kaufleute gilt das nicht, wenn die Bürgschaft für sie ein Handelsgeschäft ist.

Im Bankgeschäft ist die selbstschuldnerische Bürgschaft Standard. Der Bürge verzichtet dabei auf die Einrede der Vorausklage, die Bank kann ihn also sofort in Anspruch nehmen, ohne erst gegen den Hauptschuldner vollstrecken zu müssen. Häufig ist sie als Höchstbetragsbürgschaft auf eine feste Summe begrenzt. Eine Bürgschaft auf erstes Anfordern geht noch weiter: Gezahlt wird auf bloße Aufforderung, Einwände werden erst danach geklärt.

Im Mittelstand sind Gesellschafterbürgschaften verbreitet. Bei einer GmbH haftet eigentlich nur das Gesellschaftsvermögen; die persönliche Bürgschaft hebt diese Trennung für den jeweiligen Kredit faktisch auf. Wer bürgt, sollte daher Höhe, Umfang und Laufzeit genau begrenzen. Bürgschaften naher Angehöriger ohne eigenes Einkommen oder Vermögen können sittenwidrig und damit unwirksam sein, wenn sie den Bürgen finanziell krass überfordern.

Fehlen Sicherheiten, können Bürgschaftsbanken der Länder einspringen und einen Teil des Kreditrisikos übernehmen. Weitere Formen sind die Zahlungsbürgschaft gegenüber Lieferanten und Bankbürgschaften im Rahmen eines Avalkredits. Als Kreditsicherheit ist jede Bürgschaft nur so gut wie die Zahlungsfähigkeit des Bürgen — deshalb fragt die Bank nach dessen Vermögen.

Beispiel aus der Praxis: Eine GmbH nimmt einen Investitionskredit über 400.000 Euro auf. Die Bank verlangt neben einer Grundschuld eine selbstschuldnerische Höchstbetragsbürgschaft des Geschäftsführers über 150.000 Euro. Zusätzlich übernimmt eine Bürgschaftsbank die Hälfte des Kreditrisikos, wodurch die persönliche Haftung begrenzt bleibt.

Aus der Bankersperspektive

Für die Bank ist die Gesellschafterbürgschaft oft weniger Sicherheit als Signal: Der Inhaber steht persönlich hinter dem Unternehmen. Verhandeln Sie über Höchstbeträge und über eine Freigabe, sobald sich Eigenkapital oder Rating verbessert haben — das lässt sich vertraglich regeln.

Häufige Fragen zum Thema Bürgschaft

Was bedeutet selbstschuldnerische Bürgschaft?

Der Bürge verzichtet auf die Einrede der Vorausklage. Die Bank kann ihn deshalb direkt zur Zahlung auffordern, sobald der Hauptschuldner nicht zahlt, ohne zuerst bei diesem vollstrecken zu müssen.

Kann ich eine Bürgschaft kündigen?

Eine Bürgschaft für einen bestimmten Kredit ist in der Regel nicht einseitig kündbar. Bei unbefristeten Bürgschaften für künftige Verbindlichkeiten ist eine Kündigung für die Zukunft oft möglich, bereits bestehende Schulden bleiben aber abgesichert.

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