Forfaitierung einfach erklärt
Der Begriff kommt vom französischen „à forfait“ — in Bausch und Bogen. Ein Unternehmen verkauft eine Forderung an einen Forfaiteur, meist eine Bank oder spezialisierte Gesellschaft. Dieser zahlt den Betrag abzüglich eines Abschlags für Zinsen und Risiko sofort aus und übernimmt alle Risiken: das Delkredererisiko des Schuldners, das politische Risiko und das Transferrisiko, also die Gefahr, dass ein Staat Zahlungen ins Ausland verhindert.
Kennzeichen ist der Verzicht auf Regress. Fällt der Schuldner aus, kann sich der Forfaiteur nicht beim Verkäufer schadlos halten. Der Verkäufer haftet nur für den rechtlichen Bestand der Forderung — dass sie also wirklich besteht und nicht mit Einwänden belastet ist. Diese Haftung heißt Veritätshaftung.
Forfaitiert werden typischerweise größere Einzelforderungen aus Exportgeschäften, etwa für Maschinen oder Anlagen, die über mehrere Raten bezahlt werden. Damit der Forfaiteur das Risiko übernimmt, ist die Forderung häufig abgesichert, zum Beispiel durch eine Zahlungsgarantie oder einen Avalvermerk der Bank des Käufers, einen Wechsel oder ein Akkreditiv. Auch Leasinggesellschaften forfaitieren ihre Leasingraten, um sich zu refinanzieren.
Der Unterschied zum Factoring: Factoring ist ein laufender Rahmenvertrag über viele kurzfristige Forderungen und umfasst oft Dienstleistungen wie Mahnwesen. Forfaitierung betrifft einzelne, größere Forderungen mit längerer Laufzeit und ist eine reine Finanzierung mit Risikoübernahme.
Für den Exporteur hat das mehrere Vorteile: Er kann dem Kunden lange Zahlungsziele anbieten, erhält aber sofort Liquidität und ist die Risiken los. Die Kosten richten sich nach Laufzeit, Land und Qualität der Absicherung.
Aus der Bankersperspektive
Aus Sicht der Hausbank entlastet eine Forfaitierung die Bilanz von Länder- und Ausfallrisiken, die sonst schwer einzuschätzen wären. Voraussetzung ist eine lückenlose Dokumentation, denn für den rechtlichen Bestand der Forderung haften Sie weiter.
Häufige Fragen zum Thema Forfaitierung
Was ist der Unterschied zwischen Forfaitierung und Factoring?
Factoring finanziert laufend viele kurzfristige Forderungen. Forfaitierung betrifft einzelne größere Forderungen mit längerer Laufzeit, immer ohne Rückgriff auf den Verkäufer.
Kann man auch Inlandsforderungen forfaitieren?
Ja, das kommt etwa bei Leasing- oder Projektgeschäften vor. Üblich ist es vor allem bei größeren Beträgen mit längerer Laufzeit.
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