Vorsteuerabzug einfach erklärt
Die Umsatzsteuer soll wirtschaftlich nur den Endverbraucher belasten. Deshalb dürfen Unternehmen die Umsatzsteuer, die ihnen Lieferanten und Dienstleister in Rechnung stellen, als Vorsteuer abziehen (§ 15 UStG). In der Umsatzsteuer-Voranmeldung wird die Vorsteuer mit der Umsatzsteuer aus den eigenen Ausgangsrechnungen verrechnet. Übersteigt die Vorsteuer die Umsatzsteuer, erstattet das Finanzamt die Differenz.
Voraussetzungen sind eine Leistung für das Unternehmen und eine ordnungsgemäße Rechnung mit allen Pflichtangaben, etwa Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, Leistungsbeschreibung, Leistungszeitpunkt und gesondert ausgewiesenem Steuerbetrag. Fehlt eine Angabe, kann das Finanzamt den Abzug bei einer Prüfung versagen. Kein Vorsteuerabzug steht Kleinunternehmern zu, die keine Umsatzsteuer berechnen, und Unternehmen mit bestimmten steuerfreien Umsätzen, etwa Ärzten oder Versicherungsvermittlern — für sie ist die Umsatzsteuer ein echter Kostenfaktor.
Für die Liquiditätsplanung ist vor allem der Zeitpunkt wichtig. Bei größeren Investitionen zahlt das Unternehmen zunächst den Bruttobetrag und erhält die Vorsteuer erst nach Abgabe der Voranmeldung und Bearbeitung durch das Finanzamt zurück. Diese Lücke muss überbrückt werden, meist über die Kontokorrentlinie oder eine kurzfristige Vorfinanzierung. Ein Investitionskredit deckt in der Regel nur den Nettobetrag.
Bilanziell gehört die abziehbare Vorsteuer nicht zu den Anschaffungskosten. Eine Maschine wird also mit dem Nettopreis aktiviert und abgeschrieben. Nicht abziehbare Vorsteuer erhöht dagegen die Anschaffungskosten. Solange die Vorsteuer abziehbar ist, ist sie also kein Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung — sie belastet allein die Liquidität, und das nur vorübergehend.
Aus der Bankersperspektive
Banken finanzieren Investitionen in der Regel netto und erwarten, dass die Umsatzsteuer aus dem laufenden Rahmen vorfinanziert wird. In der Summen- und Saldenliste achten sie zudem darauf, ob die Umsatzsteuerkonten plausibel sind — hohe Steuerrückstände sind ein Warnsignal.
Häufige Fragen zum Thema Vorsteuerabzug
Wann bekomme ich die Vorsteuer vom Finanzamt zurück?
Nach Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung, sofern die Vorsteuer Ihre Umsatzsteuerschuld übersteigt. Wie schnell das Geld kommt, hängt von der Bearbeitung ab; bei hohen Erstattungen prüft das Finanzamt mitunter vorher nach.
Was passiert, wenn eine Eingangsrechnung fehlerhaft ist?
Dann kann das Finanzamt den Vorsteuerabzug verweigern. Lassen Sie fehlerhafte Rechnungen deshalb vom Lieferanten berichtigen, damit der Abzug gesichert ist.
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