Abrufkredit einfach erklärt
Beim Abrufkredit sagt die Bank einen Kreditbetrag verbindlich zu, zahlt ihn aber nicht sofort komplett aus. Das Unternehmen ruft die Mittel ab, wenn es sie tatsächlich braucht — auf einmal oder in mehreren Tranchen. Typisch ist das bei Investitionen, die sich über Monate ziehen: Bauvorhaben, Hallenerweiterungen oder Anlagen, die nach Baufortschritt bezahlt werden.
Zinsen zahlen Sie nur auf den abgerufenen Teil. Für den noch nicht abgerufenen Rest verlangt die Bank meist eine Bereitstellungsprovision, weil sie das Geld vorhalten und mit Eigenkapital unterlegen muss. Im Kreditvertrag sind außerdem eine Abruffrist und oft Mindestbeträge je Abruf geregelt. Was bis zum Fristende nicht abgerufen ist, verfällt in der Regel.
Vom Kontokorrentkredit unterscheidet sich der Abrufkredit vor allem darin, dass zurückgezahlte Beträge meist nicht erneut gezogen werden können. Er ist eher ein Darlehen mit flexibler Auszahlung als ein laufender Rahmen. Manche Banken verwenden den Begriff allerdings auch für eine Kreditlinie, aus der kurzfristige Einzelkredite gezogen werden — entscheidend ist, was im Vertrag steht.
Der Vorteil liegt in geringeren Zinskosten während der Anlaufphase und in der Planungssicherheit: Die Mittel sind zugesagt, und die Bank kann die Auszahlung nur unter den vertraglich oder gesetzlich geregelten Voraussetzungen verweigern, etwa bei einer wesentlichen Verschlechterung der Vermögenslage. Nachteilig sind die Bereitstellungsprovision und die Versuchung, zu großzügig zu planen. Damit Abrufe und Zahlungsplan des Projekts zusammenpassen, gehört der Kredit in die Liquiditätsplanung.
Aus der Bankersperspektive
Die Bank will sehen, dass die Abrufe zum Investitionsplan passen — meist belegt durch Rechnungen oder Bautenstandsberichte. Wer einen deutlich zu hohen Rahmen beantragt, zahlt unnötig Bereitstellungsprovision und wirkt in seiner Planung unsicher.
Häufige Fragen zum Thema Abrufkredit
Was kostet ein nicht abgerufener Kredit?
Für zugesagte, aber nicht abgerufene Beträge verlangen Banken meist eine Bereitstellungsprovision. Höhe und Beginn der Berechnung, oft nach einigen bereitstellungsfreien Monaten, sind Verhandlungssache und stehen im Kreditvertrag.
Kann ich einen Abrufkredit zurückzahlen und erneut abrufen?
Das hängt vom Vertrag ab. Bei klassischen Abrufdarlehen sind getilgte Beträge nicht erneut abrufbar. Wer diese Flexibilität braucht, ist mit einem Kontokorrentkredit oder einer revolvierenden Kreditlinie besser bedient.
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