Betriebsmittelkredit

Kurzfristiger Kredit zur Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs, etwa von Material, Löhnen und offenen Kundenforderungen. Häufig als Kontokorrentlinie oder kurzlaufendes Darlehen.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Betriebsmittelkredit einfach erklärt

Ein Betriebsmittelkredit finanziert nicht Maschinen oder Gebäude, sondern den laufenden Betrieb. Er überbrückt die Zeit zwischen Ausgaben für Material, Personal und Miete und dem Zahlungseingang vom Kunden. Damit unterscheidet er sich vom Investitionskredit, der langfristige Anschaffungen über deren Nutzungsdauer finanziert. Weil der Bedarf im Jahresverlauf schwankt, ist ein Betriebsmittelkredit meist so angelegt, dass er flexibel in Anspruch genommen und wieder zurückgeführt werden kann.

In der Praxis gibt es mehrere Formen. Am häufigsten ist der Kontokorrentkredit: ein Rahmen auf dem Geschäftskonto, der flexibel genutzt und zurückgeführt wird. Daneben vergeben Banken kurzlaufende Darlehen mit festem Betrag, etwa für einen saisonalen Vorlauf oder einen großen Auftrag. Auch Förderbanken bieten Betriebsmittelprogramme an, die meist über die Hausbank beantragt werden und teilweise eine Haftungsfreistellung für die Bank enthalten.

Wichtig ist die Fristenkongruenz: Kurzfristige Kredite sollen kurzfristigen Bedarf decken. Wer eine Maschine über das Kontokorrent bezahlt, blockiert seinen Spielraum für das Tagesgeschäft und zahlt meist höhere Zinsen als nötig. Umgekehrt ist ein dauerhaft voll ausgeschöpfter Betriebsmittelrahmen oft ein Zeichen für einen strukturellen Finanzierungsbedarf, der besser langfristig gedeckt würde, etwa durch ein Darlehen oder zusätzliches Eigenkapital.

Als Sicherheit dienen häufig die Vermögenswerte, die finanziert werden: abgetretene Kundenforderungen über eine Sicherungsabtretung und sicherungsübereignete Warenlager. Alternativen oder Ergänzungen sind Factoring, Einkaufs- und Lagerfinanzierungen. Sie wachsen mit dem Umsatz mit, während eine feste Kreditlinie bei starkem Wachstum schnell zu klein werden kann. Welche Kombination passt, zeigt ein Blick auf den monatlichen Liquiditätsverlauf.

Beispiel aus der Praxis: Ein Gartenbaubetrieb hat im Frühjahr hohe Ausgaben für Pflanzen, Saisonkräfte und Material, die Kunden zahlen aber erst ab Mai. Die Hausbank stellt einen Betriebsmittelkredit über 150.000 Euro von Februar bis Juli bereit. Aus den Sommerumsätzen wird er vollständig zurückgeführt.

Aus der Bankersperspektive

Die Bank achtet darauf, dass ein Betriebsmittelrahmen tatsächlich „atmet“, also regelmäßig zurückgeführt wird. Eine Linie, die das ganze Jahr am Limit steht, wertet sie als Warnsignal und fragt nach einer Umschichtung in ein langfristiges Darlehen.

Häufige Fragen zum Thema Betriebsmittelkredit

Was ist der Unterschied zwischen Betriebsmittelkredit und Investitionskredit?

Der Betriebsmittelkredit finanziert laufende Ausgaben und ist kurzfristig angelegt. Der Investitionskredit finanziert langlebige Anschaffungen und läuft entsprechend der Nutzungsdauer über mehrere Jahre.

Welche Sicherheiten verlangt die Bank für einen Betriebsmittelkredit?

Typisch sind die Abtretung von Kundenforderungen und die Sicherungsübereignung von Vorräten. Je nach Bonität kommen persönliche Bürgschaften der Gesellschafter oder Bürgschaften einer Förder- oder Bürgschaftsbank hinzu.

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