Bilanz einfach erklärt
Die Bilanz ist eine Momentaufnahme. Sie zeigt zu einem Stichtag — meist dem Ende des Geschäftsjahres — auf der Aktivseite das Vermögen: Anlagevermögen wie Gebäude und Maschinen, Umlaufvermögen wie Vorräte, Forderungen und Bankguthaben. Die Passivseite zeigt die Finanzierung: Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten. Beide Seiten sind immer gleich groß.
Zusammen mit der Gewinn- und Verlustrechnung bildet die Bilanz den Kern des Jahresabschlusses. Kaufleute sind nach dem HGB grundsätzlich zur Bilanzierung verpflichtet; ausgenommen sind kleine Einzelkaufleute unterhalb bestimmter Umsatz- und Gewinngrenzen sowie Freiberufler, die ihren Gewinn per Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln können. Neben der Handelsbilanz gibt es die Steuerbilanz, die nach steuerlichen Vorschriften in einzelnen Positionen abweichen kann.
Für die Analyse ist weniger die einzelne Zahl interessant als das Verhältnis der Posten zueinander. Wie viel Eigenkapital steht dem Vermögen gegenüber? Ist langfristiges Vermögen auch langfristig finanziert? Wie viel Geld steckt in Lager und Kundenforderungen? Aus diesen Fragen leiten sich Kennzahlen wie Eigenkapitalquote, Anlagendeckung oder Verschuldungsgrad ab. Im Zeitvergleich über mehrere Jahre zeigt sich, ob ein Unternehmen Substanz aufbaut oder verzehrt.
Eine Bilanz ist vergangenheitsbezogen und liegt oft erst Monate nach dem Stichtag vor. Für aktuelle Entscheidungen reicht sie deshalb allein nicht aus. Sie wird ergänzt durch unterjährige Auswertungen und eine Planung, die zeigt, wie sich Vermögen und Finanzierung entwickeln sollen. Je früher der Abschluss nach dem Stichtag fertig ist, desto mehr ist er im Gespräch mit Banken und Geschäftspartnern wert.
Aus der Bankersperspektive
Die Bank liest die Bilanz nicht wie das Finanzamt, sondern bereinigt sie: Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt können dem Eigenkapital zugerechnet, immaterielle Werte oder Forderungen an Gesellschafter abgezogen werden. Wer diese Positionen im Bankgespräch von sich aus erläutert, verhindert, dass das Rating schlechter ausfällt als nötig.
Häufige Fragen zum Thema Bilanz
Wer muss eine Bilanz erstellen?
Grundsätzlich alle Kaufleute nach HGB, also insbesondere GmbH, UG, AG und Personenhandelsgesellschaften wie OHG und KG. Kleine Einzelkaufleute unterhalb gesetzlicher Schwellen und Freiberufler können stattdessen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen.
Was ist der Unterschied zwischen Bilanz und GuV?
Die Bilanz zeigt Vermögen und Kapital zu einem Stichtag. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt Erträge und Aufwendungen über das ganze Geschäftsjahr und erklärt, wie das Ergebnis zustande kam.
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