Working Capital einfach erklärt
Im weiteren Sinn bezeichnet Working Capital das Umlaufvermögen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten, auf Deutsch Nettoumlaufvermögen. In der Finanzierungspraxis wird meist enger gerechnet, mit dem operativen Working Capital: Vorräte plus Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, minus Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und erhaltene Anzahlungen. Diese Größe zeigt, wie viel Geld im Kreislauf aus Einkauf, Produktion und Verkauf steckt.
Eine gängige Kennzahl ist der Cash Conversion Cycle: Lagerdauer plus Kundenzahlungsziel minus Lieferantenzahlungsziel, jeweils in Tagen. Er gibt an, wie lange das Unternehmen Auszahlungen vorfinanzieren muss, bis das Geld vom Kunden zurückfließt. Jeder Tag weniger setzt Liquidität frei, jeder Tag mehr bindet zusätzliches Kapital.
Working Capital Management setzt an allen drei Stellen an. Ein konsequentes Debitorenmanagement mit schneller Rechnungsstellung und klarem Mahnwesen verkürzt die Zeit bis zum Zahlungseingang. Ein schlankeres Lager reduziert gebundenes Kapital, darf aber die Lieferfähigkeit nicht gefährden. Auf der Lieferantenseite helfen längere Zahlungsziele — allerdings nur, wenn sie verhandelt und nicht durch verspätetes Zahlen erzwungen werden; oft ist es sogar günstiger, Skonto zu ziehen.
Für die Finanzierung gilt: Der dauerhaft benötigte Sockel des Working Capital sollte langfristig gesichert sein, saisonale Spitzen eignen sich für eine Kontokorrentlinie oder einen Betriebsmittelkredit. Wächst der Umsatz, wächst das Working Capital in der Regel mit — und damit der Finanzierungsbedarf.
Aus der Bankersperspektive
Banken leiten aus dem Working Capital ab, wie hoch eine Betriebsmittellinie sinnvoll ist. Sie vergleichen Lagerdauer, Kundenziel und Lieferantenziel mit den Vorjahren und der Branche — steigende Werte ohne Erklärung deuten auf schwer verkäufliche Bestände oder eine nachlassende Zahlungsmoral der Kunden hin.
Häufige Fragen zum Thema Working Capital
Wie berechne ich das Working Capital?
Im einfachsten Fall ziehen Sie vom Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten ab. Für die operative Steuerung rechnen Sie Vorräte plus Kundenforderungen minus Lieferantenverbindlichkeiten und erhaltene Anzahlungen.
Ist ein hohes Working Capital gut oder schlecht?
Beides ist möglich. Ein positives Working Capital zeigt, dass kurzfristige Schulden gedeckt sind, ein zu hohes bindet aber unnötig Kapital in Lager und Forderungen, das an anderer Stelle fehlt.
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