Finetrading einfach erklärt
Beim Finetrading schaltet sich ein Finanzdienstleister, der Finetrader, als Zwischenhändler in den Einkauf ein. Das Unternehmen verhandelt Ware, Menge und Preis wie gewohnt mit seinem Lieferanten. Der Finetrader kauft die Ware dann im eigenen Namen, bezahlt den Lieferanten sofort — oft unter Abzug von Skonto — und verkauft sie an das Unternehmen weiter. Dieses zahlt erst nach einem vereinbarten Zahlungsziel, häufig bis zu 90 oder 120 Tagen.
Rechtlich handelt es sich um einen Kaufvertrag mit Zahlungsziel, nicht um einen Bankkredit. Wirtschaftlich ist es eine kurzfristige Einkaufsfinanzierung. Die Ware wird direkt vom Lieferanten zum Unternehmen geliefert. Der Finetrader behält sich in der Regel das Eigentum vor, bis er bezahlt ist. Für seine Leistung berechnet er einen Aufschlag, der von Laufzeit und Bonität abhängt. Grundlage ist meist ein fester Rahmen, innerhalb dessen das Unternehmen Einkäufe abwickeln kann.
Interessant ist Finetrading vor allem in drei Situationen: wenn ein großer Auftrag hohe Materialkosten vorab verursacht, wenn das Unternehmen schnell wächst und der Kontokorrent nicht mitwächst, oder wenn Lieferanten nur kurze Zahlungsziele gewähren. Im Vergleich zum klassischen Lieferantenkredit bleibt das Verhältnis zum Lieferanten unbelastet, weil dieser pünktlich sein Geld erhält.
Zu beachten ist dreierlei. Erstens kostet die Finanzierung Geld — sie lohnt sich vor allem, wenn der Skontoertrag einen großen Teil der Kosten deckt oder die Liquidität sonst fehlt. Zweitens prüft auch der Finetrader die Bonität. Drittens kann sein Eigentumsvorbehalt mit Sicherheiten kollidieren, die die Hausbank am Warenlager hält. Eine Absprache mit der Bank gehört deshalb vor den Vertragsabschluss. Für länger lagernde Bestände ist eine Lagerfinanzierung oft passender.
Aus der Bankersperspektive
Ein Kreditanalyst fragt nach, wenn Lieferantenverbindlichkeiten auffällig steigen. Finetrading-Linien behandelt er wirtschaftlich wie Finanzschulden — legen Sie sie deshalb offen, statt sie in den Lieferantenverbindlichkeiten verschwinden zu lassen.
Häufige Fragen zum Thema Finetrading
Ist Finetrading ein Kredit?
Rechtlich nicht, es ist ein Kaufvertrag mit langem Zahlungsziel. Wirtschaftlich wirkt es aber wie eine kurzfristige Finanzierung des Wareneinkaufs.
Für welche Unternehmen eignet sich Finetrading?
Vor allem für Händler, Hersteller und Handwerksbetriebe mit hohem Materialeinsatz, die Ware vorfinanzieren müssen. Voraussetzung ist eine ausreichende Bonität.
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