Einkaufsfinanzierung einfach erklärt
Viele Unternehmen müssen Ware bezahlen, lange bevor sie selbst Geld von ihren Kunden bekommen. Bei der Einkaufsfinanzierung schließt ein Finanzierer diese Lücke: Er bezahlt den Lieferanten — häufig innerhalb der Skontofrist — und gewährt dem Unternehmen ein längeres Zahlungsziel, etwa 60 bis 120 Tage. Erst dann wird der Betrag fällig.
Es gibt verschiedene Formen. Beim Finetrading kauft der Finanzierer die Ware im eigenen Namen und verkauft sie mit Zahlungsziel weiter. Bei anderen Modellen übernimmt er lediglich die Zahlung der Lieferantenrechnung. Klassische Alternativen sind der Lieferantenkredit, also ein langes Zahlungsziel direkt beim Lieferanten, und der Kontokorrentkredit der Hausbank. Für größere Bestände kommt auch eine Lagerfinanzierung infrage.
Wirtschaftlich lohnt sich die Einkaufsfinanzierung vor allem, wenn dadurch Skonto gezogen werden kann. Ein Skontoabzug von 2 bis 3 % für eine um wenige Wochen frühere Zahlung entspricht einem sehr hohen Jahreszins. Liegen die Kosten der Finanzierung darunter, bleibt ein Gewinn. Außerdem stärkt pünktliches Zahlen die Verhandlungsposition beim Lieferanten.
Die Nachteile: Die Finanzierung kostet Gebühren oder Aufschläge, und der Finanzierer prüft die Bonität ebenso wie eine Bank. Häufig behält er sich das Eigentum an der Ware bis zur Bezahlung vor. Das kann mit Sicherheiten kollidieren, die bereits der Hausbank gewährt wurden, etwa einer Sicherungsübereignung des Warenlagers. Deshalb sollte die Hausbank vorher informiert werden.
Geeignet ist das Instrument besonders für saisonale Geschäfte, schnelles Wachstum und große Einzelbestellungen, bei denen der Kontokorrent sonst an seine Grenze käme.
Aus der Bankersperspektive
Die Hausbank will alle Finanzierungspartner kennen, weil jede zusätzliche Linie die Gesamtverschuldung erhöht. Kritisch wird es, wenn Eigentumsvorbehalte des Einkaufsfinanzierers die Sicherheiten der Bank am Warenlager aushöhlen — das sollte vorab vertraglich geklärt sein.
Häufige Fragen zum Thema Einkaufsfinanzierung
Was ist der Unterschied zwischen Einkaufsfinanzierung und Factoring?
Die Einkaufsfinanzierung setzt bei den Lieferanten an und verlängert das eigene Zahlungsziel. Factoring setzt bei den Kunden an und macht offene Forderungen sofort zu Geld.
Lohnt sich Einkaufsfinanzierung, um Skonto zu ziehen?
Oft ja, denn Skonto entspricht hochgerechnet einem hohen Jahreszins. Vergleichen Sie den Skontobetrag mit den tatsächlichen Kosten der Finanzierung für den jeweiligen Zeitraum.
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