Lieferantenkredit

Zahlungsziel, das ein Lieferant seinem Kunden einräumt: Die Ware ist geliefert, bezahlt wird erst Wochen später. Bequem, aber wegen entgangenem Skonto oft teuer.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit

Lieferantenkredit einfach erklärt

Beim Lieferantenkredit liefert ein Lieferant Ware oder Material und gewährt dem Kunden ein Zahlungsziel — typisch sind 30, 60 oder 90 Tage. Ein eigener Kreditvertrag wird dafür nicht geschlossen: Die Finanzierung ergibt sich aus den Zahlungsbedingungen auf der Rechnung. In der Bilanz des Kunden steht der offene Betrag als Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen.

Der Lieferantenkredit wirkt kostenlos, ist es aber häufig nicht. Viele Lieferanten bieten Skonto an, etwa 2 % Abzug bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen. Wer stattdessen am 30. Tag zahlt, verzichtet auf diesen Abzug und bezahlt damit faktisch für 20 Tage Kredit. Aufs Jahr hochgerechnet entspricht das einem Zinssatz von rund 36 % — deutlich mehr, als ein Kontokorrentkredit kostet.

Trotzdem ist der Lieferantenkredit für viele Betriebe ein fester Baustein im Working Capital. Er steht ohne Bankprüfung zur Verfügung und wächst mit dem Einkaufsvolumen mit. Der Lieferant sichert sich meist über einen Eigentumsvorbehalt ab: Die Ware gehört ihm, bis sie bezahlt ist. Häufig versichert er seine Forderungen zusätzlich über eine Warenkreditversicherung. Gerade für junge oder schnell wachsende Unternehmen ist er oft die erste und wichtigste Fremdfinanzierung überhaupt.

Kritisch wird es, wenn Zahlungsziele regelmäßig überschritten werden. Lieferanten stellen dann auf Vorkasse um, Kreditversicherer kürzen Limits — und genau in dieser Phase fehlt die Liquidität doppelt. Wer Skonto ziehen möchte, braucht eine günstigere Finanzierungsquelle, etwa eine ausreichende Betriebsmittellinie oder eine Einkaufsfinanzierung. Ob sich das rechnet, zeigt ein einfacher Vergleich: Liegt der Skontoertrag über den Zinsen für die frühere Zahlung, lohnt sich die Skontonutzung fast immer.

Beispiel aus der Praxis: Ein Metallbaubetrieb kauft jährlich Material für 600.000 Euro ein, zu 2 % Skonto bei Zahlung in 10 Tagen oder 30 Tagen netto. Zahlt er immer am 30. Tag, verschenkt er 12.000 Euro Skonto pro Jahr. Finanziert er die frühere Zahlung über seine Kontokorrentlinie, kosten ihn die zusätzlichen 20 Tage Inanspruchnahme nur einen Bruchteil davon.

Aus der Bankersperspektive

Die Bank setzt die Lieferantenverbindlichkeiten ins Verhältnis zum Materialeinkauf: Steigen die Kreditorentage deutlich, deutet das auf Liquiditätsengpässe hin. Wer konsequent Skonto zieht, zeigt dagegen eine stabile Finanzlage — und hat ein gutes Argument für eine ausreichend bemessene Kontokorrentlinie.

Häufige Fragen zum Thema Lieferantenkredit

Wie teuer ist ein Lieferantenkredit wirklich?

Das hängt vom Skonto ab. Bei 2 % Skonto für Zahlung in 10 statt 30 Tagen entspricht der Verzicht einem Jahreszins von rund 36 %. Ohne Skontoangebot ist das Zahlungsziel dagegen tatsächlich zinsfrei.

Ist ein Lieferantenkredit ein echter Kredit?

Wirtschaftlich ja, rechtlich meist nicht im Sinne eines Darlehensvertrags. Er entsteht aus dem vereinbarten Zahlungsziel und wird in der Bilanz als Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen ausgewiesen.

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