Reverse Factoring

Lieferantenfinanzierung, die vom Abnehmer angestoßen wird: Ein Finanzierer bezahlt die Lieferantenrechnungen früh, der Abnehmer begleicht sie erst später zum vereinbarten Ziel.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20263 Min. Lesezeit

Reverse Factoring einfach erklärt

Beim klassischen Factoring verkauft ein Lieferant seine Forderungen. Beim Reverse Factoring geht die Initiative vom Kunden aus: Ein großer Abnehmer vereinbart mit einer Bank oder einem Finanzdienstleister ein Programm, über das seine Lieferanten bestätigte Rechnungen vorzeitig ausgezahlt bekommen. Der Abnehmer zahlt den Betrag später — häufig nach verlängerten Zahlungszielen — an den Finanzierer.

Der Kern liegt in der Bonität: Der Finanzierer stützt sich auf die Kreditwürdigkeit des meist größeren, gut bewerteten Abnehmers. Der Lieferant erhält sein Geld deshalb zu Konditionen, die er allein nicht bekäme. Der Abnehmer wiederum kann Zahlungsziele verlängern und so sein Working Capital entlasten, ohne seine Lieferanten in Liquiditätsnot zu bringen. Wirtschaftlich verlängert er damit seinen Lieferantenkredit, während ein Dritter die Zwischenfinanzierung übernimmt.

Für Lieferanten ist die Teilnahme meist freiwillig, und sie entscheiden je Rechnung, ob sie die frühe Auszahlung nutzen. Die Kosten — ein Abschlag auf den Rechnungsbetrag — trägt in der Regel der Lieferant. Verglichen mit einem eigenen Kontokorrentkredit ist das für kleinere Lieferanten oft günstiger, weil sich der Preis am Risiko des Abnehmers orientiert.

Kritisch zu sehen ist die bilanzielle Seite beim Abnehmer: Werden Zahlungsziele über ein solches Programm deutlich verlängert, können Verbindlichkeiten aus Lieferungen wirtschaftlich zu Finanzschulden werden. Prüfer und Banken achten zunehmend darauf, dass diese Programme transparent ausgewiesen werden. Zudem entsteht eine Abhängigkeit: Endet das Programm, müssen die verlängerten Ziele plötzlich wieder aus eigener Liquidität bedient werden — beim Abnehmer wie beim Lieferanten, der dann wieder lange auf sein Geld wartet.

Beispiel aus der Praxis: Ein Automobilzulieferer mit 20 Mio. Euro Umsatz liefert an einen Großkonzern mit 90 Tagen Zahlungsziel. Über dessen Reverse-Factoring-Programm lässt er sich bestätigte Rechnungen nach zehn Tagen auszahlen, gegen einen Abschlag, der sich an der Bonität des Konzerns orientiert. Statt rund 5 Mio. Euro bindet er so nur noch gut 0,5 Mio. Euro in Forderungen.

Aus der Bankersperspektive

Die Hausbank des Lieferanten sieht Reverse Factoring meist positiv, weil Forderungsrisiken sinken und Liquidität steigt. Sie wird aber fragen, wie abhängig das Unternehmen von diesem einen Programm und Abnehmer ist — und ob die eigenen Linien reichen, falls es endet.

Häufige Fragen zum Thema Reverse Factoring

Was ist der Unterschied zwischen Factoring und Reverse Factoring?

Beim Factoring verkauft der Lieferant seine Forderungen aus eigener Initiative, und der Factor prüft die Bonität der Kunden. Beim Reverse Factoring richtet der Abnehmer das Programm ein, und die Finanzierung stützt sich auf dessen Bonität.

Wer bezahlt beim Reverse Factoring die Kosten?

Meist der Lieferant, der die vorzeitige Auszahlung nutzt, über einen Abschlag vom Rechnungsbetrag. Der Abnehmer profitiert über verlängerte Zahlungsziele.

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