Sanierungsgutachten

Fachliche Prüfung, ob und wie ein Unternehmen in der Krise saniert werden kann. Meist nach dem Standard IDW S 6 erstellt, ist es Grundlage für Sanierungskredite und Gläubigergespräche.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Sanierungsgutachten einfach erklärt

Ein Sanierungsgutachten analysiert die Lage eines Unternehmens in der Krise und zeigt, mit welchen Maßnahmen es wieder nachhaltig wettbewerbs- und renditefähig werden kann. In Deutschland orientieren sich solche Gutachten meist am Standard IDW S 6 des Instituts der Wirtschaftsprüfer. Banken und Rechtsprechung haben die dort beschriebenen Anforderungen weitgehend als Maßstab für ein tragfähiges Sanierungskonzept übernommen.

Zu den Kernelementen gehören: eine Beschreibung des Unternehmens und seiner Ausgangslage, eine Analyse der Krisenursachen und des Krisenstadiums, ein Leitbild des sanierten Unternehmens, konkrete Maßnahmen mit Verantwortlichen und Zeitplan sowie eine integrierte Planung aus Ergebnis-, Bilanz- und Finanzplanung. Am Ende steht die Aussage, ob das Unternehmen sanierungsfähig ist — vorausgesetzt, die Maßnahmen werden umgesetzt.

Grundvoraussetzung ist eine positive Fortführungsprognose. Liegen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vor, müssen sie durch die Maßnahmen kurzfristig beseitigt werden. Ein Sanierungsgutachten ist kein Insolvenzplan, kann aber Grundlage für Verhandlungen mit Gläubigern oder für ein Restrukturierungsvorhaben nach dem StaRUG sein.

Banken verlangen ein solches Gutachten in der Regel, bevor sie Sanierungskredite gewähren oder bestehende Linien in der Krise stehen lassen. Für sie ist es auch ein Schutz vor Haftungs- und Anfechtungsrisiken. Erstellt wird es von Wirtschaftsprüfern oder spezialisierten Beratern. Für kleinere Unternehmen ist ein im Umfang angepasstes Gutachten möglich, die Kernanforderungen bleiben aber gleich. Die Kosten sind spürbar — die Alternative ist jedoch oft der Verlust der Finanzierung.

Beispiel aus der Praxis: Ein Maschinenbauer mit 25 Mio. Euro Umsatz schreibt nach dem Verlust eines Großkunden zwei Jahre Verluste. Die Banken machen die Verlängerung der Linien von einem Sanierungsgutachten abhängig. Das Gutachten bestätigt die Sanierungsfähigkeit unter der Bedingung, dass ein Standort geschlossen und das Produktprogramm gestrafft wird; die Banken verlängern daraufhin für 18 Monate.

Aus der Bankersperspektive

Banken lesen ein Sanierungsgutachten vor allem darauf, ob die Krisenursachen ehrlich benannt und die Maßnahmen realistisch geplant sind. Ein Gutachten, das nur auf Umsatzwachstum setzt, statt Strukturprobleme anzugehen, überzeugt keinen Kreditentscheider.

Häufige Fragen zum Thema Sanierungsgutachten

Wann braucht man ein Sanierungsgutachten?

Wenn ein Unternehmen in eine Krise geraten ist und Banken oder andere Geldgeber neue Mittel oder das Stehenlassen bestehender Kredite davon abhängig machen. Auch für Verhandlungen mit Gläubigern ist es eine wichtige Grundlage.

Wer darf ein Sanierungsgutachten nach IDW S 6 erstellen?

Typischerweise Wirtschaftsprüfer oder erfahrene Sanierungsberater. Entscheidend für die Akzeptanz bei Banken sind die fachliche Qualifikation und die Unabhängigkeit des Erstellers.

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