Substanzwert einfach erklärt
Der Substanzwert fragt: Was ist das vorhandene Vermögen eines Unternehmens wert? Dafür werden Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Vorräte und Forderungen einzeln mit aktuellen Werten angesetzt und die Schulden abgezogen. Im Unterschied zum Buchwert aus der Bilanz werden dabei stille Reserven aufgedeckt, etwa bei einem Grundstück, das seit Jahrzehnten zu historischen Anschaffungskosten in den Büchern steht.
Man unterscheidet zwei Blickwinkel. Der Reproduktionswert beschreibt, was es kosten würde, den Betrieb in seinem heutigen Zustand nachzubauen. Der Liquidationswert beschreibt, was bei einer Zerschlagung und dem Einzelverkauf aller Vermögensgegenstände übrig bliebe — nach Abzug von Verwertungs- und Abwicklungskosten. Spezialmaschinen ohne nennenswerte Drittverwendungsfähigkeit erzielen dabei oft nur einen Bruchteil ihres Buchwerts.
Für die Unternehmensbewertung spielt der Substanzwert meist eine Nebenrolle. Käufer zahlen für künftige Erträge, nicht für Maschinen, und nicht bilanzierte Werte wie Kundenbeziehungen, Know-how oder Marke erfasst er nur unvollständig. Bedeutung hat er dennoch: Der Liquidationswert gilt als Wertuntergrenze, wenn sich die Fortführung nicht lohnt. Bei anlageintensiven Unternehmen mit schwacher Ertragslage oder bei Immobiliengesellschaften kann der Substanzwert den Ertragswert sogar übersteigen. Im Steuerrecht dient er bei der Bewertung für Erbschaft- und Schenkungsteuer als Mindestwert.
In der Nachfolge lohnt sich ein Blick auf beide Werte. Liegt der Substanzwert deutlich über dem Ertragswert, ist das ein Hinweis, dass das Vermögen nicht rentabel eingesetzt wird — ein Thema für Verkäufer, Käufer und finanzierende Bank gleichermaßen.
Aus der Bankersperspektive
Banken interessieren sich für Substanzwerte vor allem als Sicherheitenwert und im Liquidationsszenario. Für die Kreditentscheidung zählt aber, ob das Unternehmen den Kapitaldienst aus dem laufenden Ergebnis tragen kann — viel Substanz ersetzt keine Ertragskraft.
Häufige Fragen zum Thema Substanzwert
Was ist der Unterschied zwischen Substanzwert und Ertragswert?
Der Substanzwert misst das vorhandene Vermögen abzüglich Schulden. Der Ertragswert misst, was die künftigen Gewinne des Unternehmens heute wert sind, und ist bei Unternehmensverkäufen in der Regel maßgeblich.
Wann ist der Substanzwert für eine Bewertung wichtig?
Vor allem bei ertragsschwachen, anlageintensiven Betrieben, bei Immobilienunternehmen und als Untergrenze, wenn eine Fortführung wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Steuerlich dient er bei Erbschaft und Schenkung als Mindestwert.
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