Verbindlichkeiten einfach erklärt
Verbindlichkeiten sind Zahlungsverpflichtungen, die dem Grunde und der Höhe nach sicher sind. Sie gehören zum Fremdkapital und werden in der Bilanz mit dem Betrag angesetzt, der zur Erfüllung notwendig ist. Davon abzugrenzen sind Rückstellungen: Sie erfassen Verpflichtungen, deren Höhe oder Eintritt noch ungewiss ist, etwa erwartete Gewährleistungen oder Prozesskosten.
Das Handelsgesetzbuch gliedert die Verbindlichkeiten in mehrere Posten, unter anderem Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, erhaltene Anzahlungen, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, gegenüber verbundenen Unternehmen sowie sonstige Verbindlichkeiten, zu denen etwa Steuer- und Sozialversicherungsschulden gehören. Zusätzlich wird nach Restlaufzeiten unterschieden: Ein Verbindlichkeitenspiegel zeigt, was innerhalb eines Jahres und was erst nach mehr als fünf Jahren fällig wird.
Für die Finanzierung ist nicht nur die Höhe entscheidend, sondern die Struktur. Langfristige Investitionen sollten mit langfristigen Mitteln finanziert sein, kurzfristige Verbindlichkeiten aus dem Umlaufvermögen gedeckt werden können. Steigen die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen schneller als der Einkauf, nutzt das Unternehmen seine Lieferanten zunehmend als Kreditgeber. Wie hoch die Schulden im Verhältnis zum Eigenkapital sind, zeigt der Verschuldungsgrad.
Eine nützliche Kennzahl ist die Kreditorenlaufzeit: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen geteilt durch den Materialaufwand beziehungsweise Wareneinsatz, multipliziert mit 360. Sie zeigt, nach wie vielen Tagen das Unternehmen im Durchschnitt seine Lieferanten bezahlt. Liegt sie dauerhaft über den vereinbarten Zahlungszielen, gehen Skontovorteile verloren, und Lieferanten reagieren früher oder später mit Vorkasse oder gekürzten Limits.
Aus der Bankersperspektive
Kreditentscheider schauen besonders auf Verbindlichkeiten gegenüber Finanzamt und Sozialversicherung: Rückstände dort gelten als ernstes Krisensignal. Ebenso kritisch sehen sie eine steigende Kreditorenlaufzeit, weil sie zeigt, dass Liquiditätsengpässe über die Lieferanten finanziert werden.
Häufige Fragen zum Thema Verbindlichkeiten
Was ist der Unterschied zwischen Verbindlichkeiten und Rückstellungen?
Verbindlichkeiten stehen in Höhe und Fälligkeit fest, zum Beispiel eine Lieferantenrechnung. Rückstellungen betreffen Verpflichtungen, die dem Grunde oder der Höhe nach noch ungewiss sind, etwa erwartete Garantiekosten.
Sind hohe Verbindlichkeiten schlecht für mein Unternehmen?
Nicht grundsätzlich, denn fast jedes Unternehmen arbeitet mit Fremdkapital. Problematisch wird es, wenn die Schulden im Verhältnis zu Eigenkapital und Ertragskraft zu hoch sind oder die Laufzeiten nicht zur Mittelverwendung passen.
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