Effektiver Jahreszins einfach erklärt
Der Sollzins, oft auch Nominalzins genannt, ist der vereinbarte Zinssatz auf das geschuldete Kapital. Er sagt aber wenig über die tatsächlichen Kosten. Der effektive Jahreszins rechnet zusätzlich ein, was der Kreditnehmer sonst noch zahlt, etwa Bearbeitungsentgelte oder ein Disagio (ein Abschlag bei der Auszahlung), und berücksichtigt, wann Zinsen und Tilgung fließen. Monatliche Zahlungen führen deshalb schon ohne Gebühren zu einem etwas höheren Effektivzins.
Wichtig für Unternehmer: Die Pflicht, den effektiven Jahreszins anzugeben, gilt nach Preisangabenrecht und Verbraucherkreditrecht nur gegenüber Verbrauchern. In Angeboten für Firmenkredite fehlt er deshalb häufig. Wer Angebote vergleicht, sollte ihn erfragen oder selbst berechnen.
Für einen fairen Vergleich müssen die Rahmendaten übereinstimmen: Laufzeit, Zinsbindung, Tilgungsform und Auszahlungszeitpunkt. Ein Festzinsdarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung lässt sich nicht direkt mit einem variabel verzinsten Kredit vergleichen. Auch bei einem Annuitätendarlehen mit tilgungsfreien Anlaufjahren verändert sich der Effektivzins. Bei einem Förderkredit können Tilgungszuschüsse die effektive Belastung zusätzlich senken.
Wie stark Gebühren durchschlagen, hängt von der Laufzeit ab. Ein Bearbeitungsentgelt verteilt sich bei einem kurzen Kredit auf wenige Jahre und erhöht den Effektivzins deutlich; bei langer Laufzeit fällt es weniger ins Gewicht. Deshalb kann ein Angebot mit niedrigerem Sollzins, aber hoher Gebühr am Ende teurer sein.
Nicht alle Kosten stecken im Effektivzins — Notar- und Grundbuchkosten für eine Grundschuld etwa fallen außerhalb an. Für die Liquiditätsplanung zählt am Ende ohnehin der Kapitaldienst, also die tatsächliche jährliche Belastung aus Zins und Tilgung.
Aus der Bankersperspektive
Ihre Kreditkonditionen setzen sich aus Refinanzierungskosten der Bank, Marge und Gebühren zusammen. Die Marge hängt vor allem von Rating und Sicherheiten ab — wer dort besser abschneidet, hat in der Verhandlung mehr Spielraum als mit dem Vergleichsangebot allein.
Häufige Fragen zum Thema Effektiver Jahreszins
Muss die Bank bei Firmenkrediten den effektiven Jahreszins angeben?
Gesetzlich verpflichtet ist sie dazu nur gegenüber Verbrauchern. Bei Unternehmerkrediten sollten Sie ihn erfragen oder anhand aller Kosten selbst berechnen.
Warum ist der effektive Jahreszins höher als der Sollzins?
Er enthält zusätzlich Gebühren und berücksichtigt die Zahlungsweise. Schon monatliche Zinszahlungen erhöhen ihn leicht gegenüber dem Sollzins.
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