Hypothekarkredit

Langfristiges Darlehen, abgesichert durch ein Pfandrecht an einer Immobilie. Rechtlich steht dahinter die Hypothek; in der Praxis nutzen Banken heute fast immer die flexiblere Grundschuld.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Hypothekarkredit einfach erklärt

Hinter dem Hypothekarkredit steht im rechtlichen Sinn die Hypothek nach §§ 1113 ff. BGB: ein im Grundbuch eingetragenes Pfandrecht, das ausdrücklich eine bestimmte Forderung sichert. Wer das Darlehen nicht zurückzahlt, muss dulden, dass der Gläubiger das Grundstück verwerten lässt. In der Alltagssprache steht „Hypothek“ allerdings für fast jede Immobilienfinanzierung — auch dann, wenn die Bank tatsächlich eine Grundschuld eintragen lässt.

Kennzeichen der Hypothek ist ihre Akzessorietät: Sie hängt in Bestand und Höhe an der gesicherten Forderung. Mit jeder Tilgungsrate sichert sie nur noch den Restbetrag. Ist das Darlehen vollständig zurückgezahlt, steht sie dem Eigentümer zu und wird zur Eigentümergrundschuld. Für einen neuen Kredit muss die Bank eine neue Sicherheit bestellen lassen — mit erneutem Aufwand bei Notar und Grundbuchamt.

Genau deshalb spielt die Hypothek in der heutigen Kreditpraxis kaum noch eine Rolle. Banken bevorzugen die Grundschuld, weil sie nicht an eine einzelne Forderung gebunden ist und nach der Tilgung für weitere Finanzierungen stehen bleiben kann. Wirtschaftlich unterscheidet sich ein Hypothekarkredit kaum vom Grundschulddarlehen: lange Laufzeit, Zinsbindung, meist gleichbleibende Rate. Beide zählen zum Realkredit, also zu Krediten, die vor allem durch Sachwerte gesichert sind.

Für Unternehmer wird die Unterscheidung relevant, wenn ältere Grundbucheintragungen auftauchen. Auf lange gehaltenen Betriebsgrundstücken finden sich mitunter noch Hypotheken aus früheren Finanzierungen. Sie können die Rangstelle blockieren, die eine Bank für neue Kreditsicherheiten benötigt, und sollten vor einer Neufinanzierung geprüft und gegebenenfalls gelöscht werden.

Beispiel aus der Praxis: Ein Familienunternehmen findet im Grundbuch seines vor Jahrzehnten erworbenen Firmengrundstücks noch eine Hypothek über umgerechnet 150.000 €, obwohl der zugehörige Kredit längst getilgt ist. Für eine neue Finanzierung über 700.000 € verlangt die Bank eine Grundschuld an erster Rangstelle. Die alte Hypothek wird deshalb zuvor gelöscht.

Aus der Bankersperspektive

Für die Bank zählt nicht der Name des Grundpfandrechts, sondern sein Rang und der Wert der Immobilie. Veraltete Eintragungen verzögern Finanzierungen unnötig — lassen Sie den Grundbuchauszug vor dem Bankgespräch prüfen und erledigte Rechte rechtzeitig löschen.

Häufige Fragen zum Thema Hypothekarkredit

Gibt es heute noch Hypotheken?

Ja, rechtlich ist die Hypothek weiterhin möglich. In der Kreditpraxis wird sie aber kaum noch neu bestellt, weil die Grundschuld flexibler ist. Umgangssprachlich wird das Wort trotzdem für fast jeden Immobilienkredit verwendet.

Was passiert mit der Hypothek, wenn der Kredit abbezahlt ist?

Nach vollständiger Tilgung geht die Hypothek auf den Eigentümer über und wird zur Eigentümergrundschuld. Sie bleibt im Grundbuch stehen, bis sie auf Antrag gelöscht wird.

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