Zinsdeckungsgrad

Kennzahl, die angibt, wie oft der Zinsaufwand eines Unternehmens durch sein operatives Ergebnis gedeckt ist, und damit zeigt, wie viel Spielraum für Zinsbelastungen besteht.

MC Masko ConsultingRedaktion · Finanzlexikon Stand Oktober 20262 Min. Lesezeit

Zinsdeckungsgrad einfach erklärt

Der Zinsdeckungsgrad setzt das operative Ergebnis ins Verhältnis zum Zinsaufwand. Meist wird das EBIT, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, durch die Zinsaufwendungen geteilt; manche Banken verwenden stattdessen das EBITDA. Ein Wert von 4 bedeutet: Das operative Ergebnis reicht viermal aus, um die Zinsen zu bezahlen. Liegt der Wert unter 1, verdient das Unternehmen seine Zinsen nicht mehr aus dem laufenden Geschäft.

Die Kennzahl misst die Belastbarkeit gegenüber Zinsen, nicht gegenüber der Tilgung. Das unterscheidet sie von der Kapitaldienstfähigkeit, bei der Zins und Tilgung zusammen dem verfügbaren Cashflow gegenübergestellt werden. Ein Unternehmen kann also einen ordentlichen Zinsdeckungsgrad haben und trotzdem an hohen Tilgungen scheitern. Für ein vollständiges Bild gehören deshalb auch der Verschuldungsgrad und die Kapitaldienstdeckung dazu.

Besonders aussagekräftig ist die Kennzahl, wenn Zinsen steigen. Läuft eine Zinsbindung aus oder ist ein Teil der Kredite variabel verzinst, kann sich der Zinsaufwand deutlich erhöhen, ohne dass sich am Geschäft etwas ändert. Eine einfache Szenariorechnung mit höheren Zinssätzen zeigt, wie viel Puffer bleibt.

In Kreditverträgen ist der Zinsdeckungsgrad eine verbreitete Finanzkennzahl für Auflagen, sogenannte Covenants. Die Bank legt eine Untergrenze fest, die zu bestimmten Stichtagen eingehalten werden muss. Wird sie unterschritten, drohen Nachverhandlungen über Konditionen oder Sicherheiten. Auch ins Rating fließt die Zinsdeckung als Maß für die Ertragskraft im Verhältnis zur Verschuldung ein.

Beispiel aus der Praxis: Ein Logistikunternehmen erzielt ein EBIT von 600.000 Euro bei einem Zinsaufwand von 150.000 Euro — der Zinsdeckungsgrad liegt bei 4. Bei der Anschlussfinanzierung eines großen Darlehens steigt der Zinsaufwand auf 250.000 Euro. Bei unverändertem Ergebnis sinkt die Kennzahl auf 2,4 und nähert sich damit dem im Kreditvertrag vereinbarten Mindestwert.

Aus der Bankersperspektive

Banken rechnen den Zinsdeckungsgrad nicht nur mit den aktuellen Zinsen, sondern auch mit höheren Sätzen nach Ablauf der Zinsbindung. Wer bei einer Anschlussfinanzierung selbst zeigt, wie die Kennzahl unter höheren Zinsen aussieht, nimmt eine typische Frage des Kreditentscheiders vorweg.

Häufige Fragen zum Thema Zinsdeckungsgrad

Wie berechne ich den Zinsdeckungsgrad?

Teilen Sie das EBIT, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, durch den Zinsaufwand des Jahres. Das Ergebnis gibt an, wie oft die Zinsen aus dem operativen Ergebnis gedeckt sind.

Welcher Zinsdeckungsgrad ist gut?

Einen festen Grenzwert gibt es nicht, er hängt von Branche und Ergebnisschwankungen ab. Werte nahe 1 gelten als kritisch, weil dann kaum Spielraum für Ergebnisrückgänge oder Zinserhöhungen bleibt.

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